{"corpus":"steiner","locus":"GA 60/1911-02-16/p009","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Was damals als die Geheimnisse der geistigen Welten geschaut worden war, das war insbesondere bei den älteren Ägyptern mit der denkbar größten Pietät, mit der tiefsten Religiosität und alleräußersten Sorgfalt durch die Jahrtausende hindurch aufbewahrt worden, so daß diejenigen, welche in dem späteren ägyptischen Zeitalter lebten, wenn sie auch noch hineinzuschauen vermochten in die geistigen Welten, sich etwa folgendes sagen konnten: Wir sehen jetzt noch eine niedrige geistige Welt, wir wissen, daß es ein solches Anschauen einer geistigen Welt gibt; das zu bezweifeln wäre ebenso klug, als zu bezweifeln, daß es ein äußeres Anschauen mit den Augen gibt. — Das konnte sich der Ägypter der späteren Zeit sagen. Er hatte zwar nur noch schwache Nachklänge niedriger geistiger Welten, doch er fühlte und ahnte dabei, daß es eine alte Zeit gegeben hat, in welcher man tiefer in das, was hinter dem Physisch-Sinnlichen liegt, hineinschauen konnte. Und eine altersgraue Lehre, von welcher eben der ägyptische Weise zu Solon sprach, in wundersamen Tempelinschriften und Säulenaufschriften erhalten, gab Kunde von den hellseherischen Kräften in der alten Zeit. Den aber, in welchem die Ägypter sozusagen alle ursprüngliche Größe jener alten hellseherischen Weisheit sahen, nannten sie ihren großen Weisen, den alten Hermes. Als dann in einer späteren Zeit wieder ein Erneuerer der altägyptischen Weisheit kam, nannte er sich — wie im Grunde genommen so viele nach einem alten Brauch der ägyptischen Weisen — wieder Hermes. Und seine Bekenner, weil sie sagten, daß des in urferner Vergangenheit lebenden Hermes Weisheit wieder auflebte, nannten jetzt diesen ersten Hermes den Dreimal Großen: Hermes Trismegistos. Doch im Grunde genommen nannte ihn nur der Grieche Hermes, bei den Ägyptern hatte er den Namen Thoth. Verstehen aber kann man diesen Weisen nur, wenn man begreift, was die Ägypter gerade unter dem Einfluß der Überlieferungen von Hermes oder Thoth als die eigentlichen Weltengeheimnisse betrachteten.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Hermes","site_heading":null,"date":"1911-02-16","location":null,"word_count":301,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/60/1911-02-16/p009","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/60/1911-02-16/p009"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/60/1911-02-16/p009"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}