Christus und das zwanzigste Jahrhundert
Man kann sagen: Die alte Gnosis der ersten christlichen Jahrhunderte hat zuerst gegenüber alledem, was damals im Christentum zutage trat, den tiefsten, bedeutungsvollsten Begriff von der Christus-Wesenheit, denn ihr ist diese Christus-Wesenheit ein Ewiges, das nicht nur mit der ganzen Entwickelung der Menschheit verknüpft ist, sondern auch mit der ganzen Entwickelung der den Menschen umgebenden Welt, des Kosmos überhaupt. — Wir haben bei der Frage nach dem Ursprunge des Menschen zurückgehen müssen zu jener Gestalt des Menschen, die noch völlig in geistigen Höhen schwebt, die sich sozusagen noch nicht eingelebt, einverleibt hat in das äußere materielle Kleid. Wir haben gesehen, wie der Mensch im Laufe der Erdentwickelung, ausgehend von einer rein geistigen Gestalt, nach und nach zu jener verdichteten Wesenheit herabgestiegen ist, die wir als den heutigen Menschen bezeichnen, und wie nur durch die materialistischen Denkgewohnheiten die Entwickelungslehre, indem sie den Menschen nach rückwärts verfolgt, zu äußerlich tierischen Formen kommt, während die Geisteswissenschaft zu Formen kommt, welche immer mehr und mehr den geistig-seelischen gleichen und endlich vollständig den geistigen Ursprung des Menschen zeigen. In jener Region, in welcher der Mensch schwebte, bevor er materielles Dasein angenommen hat, wo sich der Mensch inmitten nur geistiger Wesenheiten und geistiger Tatsachen fühlte, suchte die alte Gnosis auch schon die Christus-Wesenheit. Wenn wir sie recht verstehen wollen, so müssen wir sagen, die Gnosis war der Anschauung: Während der Mensch sich weiter entwikkelte und dazu schritt, sein geistig-seelisches Wesen mit einer körperlichen Hülle zu umschließen, um in die materielle Entwickelungsreihe einzutreten, blieb in rein geistigen Welten wie - man möchte sagen — ein alter Genosse des Menschen, der aber nicht mit in die materielle Welt hinunterstieg, die Christus-Wesenheit vorhanden, - so daß der Mensch für die Anschauung dieser alten Gnosis eine Entwickelung durchmachte innerhalb der materiellen Welt und innerhalb derselben nun seine Fortschritte zu verzeichnen hat. Die Christus-Wesenheit aber bleibt in der Region des rein Geistigen, während der Mensch seine Entwickelungen im Materiellen durchmachte, so daß auch für die Zeit, welche der Mensch schon als Geschichte durchlebte, die Christus-Wesenheit nicht innerhalb jener Region zu suchen ist, welcher der Mensch als physisch-sinnliches Wesen angehört, sondern in dem rein Geistigen. In jener Zeit, welche wir als den Ausgangspunkt des Christentums bezeichnen, sah die Gnosis einen besonders wichtigen Zeitpunkt der Entwickelung der Erdenmenschheit, nämlich jenen Zeitpunkt, da aus geistigen Welten, nachdem sie ihre eigene Entwickelung zurückgehalten hat, während der Mensch schon in die materielle Welt heruntergestiegen war, die Christus-Wesenheit in die physisch-sinnliche Welt hereintrat, um als Impuls in ihr zu wirken. So sah die Gnosis den Menschen, als er noch in urmenschheitlichen Entwickelungsepochen war, als eine geistige Wesenheit mit der Welt verbunden, in welcher der Christus wirksam war, und sah dann im Beginne unserer Zeitrechnung den Christus heruntersteigen in die Welt, in welcher der Mensch schon lange seine materielle Entwickelung durchgemacht hat.