Christus und das zwanzigste Jahrhundert
So erhebt sich die Geisteswissenschaft allerdings zu einer Vorstellung, die etwas mit dem, was die äußere Wissenschaft hervorgebracht hat, anfangen kann. Denn während die letztere heute zu dem Bekenntnis genötigt ist: Nicht mit einem «Menschen», sondern mit einem in einem Menschen waltenden Gotteswesen haben wir es zu tun, womit sie aber nichts anfangen kann, führt uns die Geisteswissenschaft wiederum zu solchen Wesenheiten, die für sienun Realitäten sind, so daß die Geisteswissenschaft gerade auf diesem Gebiete auch mit der neuesten Forschung das Richtige anzufangen weiß. Das wird sich als das Wunderbare herausstellen für die Geistesentwickelung des zwanzigsten Jahrhunderts, daß dieses erkennen wird, daß das neunzehnte Jahrhundert auf Fehlwegen war, indem es das Leben des Christus Jesus zu einem bloßen Leben des Jesus von Nazareth herunterdrücken wollte, daß aber jene Wissenschaft in das richtige Leben einzulenken beginnt, die da sagt: Alles liefert uns den Beweis, daß man es in dem Christus Jesus mit einem «Gotte» zu tun hat. — Die Geisteswissenschaft wird nur hinzufügen, daß man etwas mit diesem Worte anfangen kann. Das ist allerdings eine Anschauung, die dem, was sich als materialistisch-monistische Weltanschauung in unserer letzten Zeit herausgebildet hat, widerspricht. Aber wir konnten sowohl bei dem Vortrage über den «Ursprung des Menschen» wie auch bei dem anderen über den «Ursprung der Tierwelt» zeigen, wie sich die Geisteswissenschaft in völliger Übereinstimmung mit dem weiß, was die äußere Wissenschaft als tatsächliche Forschungsergebnisse zutage gefördert hat. Und jetzt können wir sagen, daß sich die Geisteswissenschaft unmittelbar mit dem verbinden kann, wozu auch äußere gewissenhafte Forschung kommt. Wo sie aber wie vor einem Fragezeichen steht, da wird diese äußere gewissenhafte Forschung nicht zu dem geführt, wozu die Geisteswissenschaft führen kann.