Die Selbsterziehung des Menschen im Lichte der Geisteswissenschaft

GA 61/1912-03-14/p016 ·1912-03-14 · original (original)
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Da kommen wir auf mancherlei, was der Selbsterziehung des Menschen heute geradezu empfohlen wird, und vor dem im Grunde genommen von einem wirklich geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus nicht genug gewarnt werden kann. Da wird den Menschen anempfohlen, wie sie zu einem selbstsicheren, auf andere Menschen Eindruck machenden Auftreten kommen können, wie sie ihren Willen trainieren können, so daß sie sich ins Leben hineinstellen und solche Handlungen ausführen können, die ihren Intentionen entsprechen. Da wird zum Beispiel empfohlen: macht solche Übungen, welche bestehen im Vermeiden von Furcht, von Neugierde, von anderen Leidenschaften und negativen Empfindungen, — kurz, ein Arbeiten an den negativen Gefühlen und Empfindungen. Ich weiß, daß mancher, der dies jetzt hört, hinterher sagen wird: Es ist heute gegen die Beherrschung der Furcht, der Leidenschaft und so weiter gesprochen worden. — Das ist aber nicht der Fall, sondern es ist gesagt worden, daß diese Anforderungen, welche der Mensch auf diese Weise an sich stellt, zu keiner wirklichen, für das äußereLeben dienlichen Willenskultur führen können. Denn diese Willenskultur, welche der Mensch für das äußere Leben braucht, soll er sich auch im Wechselverkehr mit dem äußeren Leben erwerben. Und viel richtiger ist es, wenn der Mensch einen starken Willen für das Leben braucht, daß er diesen dadurch zu erwerben sucht, daß er äußere Stärke bewähren muß, wobei er seinen Körper anstrengen und mit seinen Augen achtgeben muß, also wirklich mit der unmittelbaren Sinneswelt den Kampf aufnimmt. Das ist es, was uns in eine wirkliche Harmonie mit der äußeren Welt bringt, mit jener äußeren Welt, aus der unser Muskelspiel und unsere gesamte physische Organisation herausgeformt ist, freilich herausgeformt ist aus dem Geiste.

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Cite: GA 61/1912-03-14/p016 · edition original