Das Wesen der Ewigkeit und die Natur der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft

GA 61/1912-03-21/p009 ·1912-03-21 · original (original)
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Der Mensch kann zu einer Erkenntnis seines Ich gerade dadurch kommen, daß er nicht bloß in der Gegenwart, sondern eben auch in der Vergangenheit lebt durch seine Erinnerungen. Könnten wir, wenn wir den Gedankenblick zurückrichten auf die vorhergehenden Tage, Wochen, Jahre oder Jahrzehnte bis zu jenem Punkte, der hier schon erwähnt worden ist und bis zu dem sich das Kind zurückerinnert, nicht alle die Erlebnisse, die wir gehabt haben, gleichsam auf einen Faden aufreihen, so würden sich uns nicht diese Erlebnisse unseres eigenen Innern als in einer Einheit in der Erinnerung zusammenschließen, wir könnten dann nicht von irgendeinem Ich sprechen. Es war durchaus richtig, was jene Psychologen betont haben, welche gesagt haben, daß der Mensch in dem Grade sein Ich verliert — wenigstens als Bewußtsein seines Ich —, als die Erinnerungen an seine Erlebnisse in der jetzt charakterisierten Zeit sich auslöschen. So weit unsere Erinnerung gestört ist, so weit ist unser Ich zerbrochen.

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