Das Wesen der Ewigkeit und die Natur der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft

GA 61/1912-03-21/p010 ·1912-03-21 · original (original)
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Wir haben nun schon öfter darauf hingewiesen, wie der Mensch, zunächst durch sein Denken, über diesen Punkt hinauskommen kann, bis zu dem er sich zurückerinnert. Aber wir wollen heute zuerst berücksichtigen, was es eigentlich macht, daß der Mensch sein wahres reales Ich - nicht bloß ein Bild des Ich - in der Erinnerung erlebt. Würden wir uns nur zurückerinnern an die Erlebnisse, die wir durchgemacht haben, bis in unsere Kindheitserinnerungen hinein, so wäre der Unterschied gegenüber dem gegenwärtigen Auftauchen des Ich-Gedankens nicht besonders groß. Denn schließlich ist es ganz gleichgültig, ob wir ein Spiegelbild unseres Ich erleben, wenn wir gegenwärtig unsere Vorstellungen, Empfindungen und Willensimpulse auf einen einheitlichen Ich-Punkt beziehen, oder ob wir unsere vergangenen Vorstellungen, Gemütserlebnisse und Willensimpulse auf einen solchen Punkt beziehen. Es bleibt da doch das Ich immer nur ein Bild, auf das wir alle unsere Erlebnisse beziehen. Wenn es so wäre, daß wir nur unsere Erlebnisse auf unser Ich beziehen, so kämen wir auch in der Erinnerung nie zum Ergreifen der Wirklichkeit unseres Ich. Wir kommen aber zum Ergreifen der Wirklichkeit unseres Ich allein dadurch, daß wir dieses Ich als ein tätiges, als ein schaffendes erleben, daß wir etwas in unserem Seelenleben erleben, was uns den Beweis liefert: In unserem Seelenleben ist etwas, was schaft und wirkt, und was wieder nicht von einer Außenwelt beeinträchtigt wird, was aber so schafft und wirkt, daß es jetzt nicht vom Schlaf ausgelöscht wird. — Was ist das, was da in uns lebt und webt, und was nicht vom Schlaf ausgelöscht wird?

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