Das Wesen der Ewigkeit und die Natur der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft
Ein jeder Mensch, der sich zurückerinnert, der unbefangen diese Rückerinnerung wirklich betreibt, wird sich sagen: Innerhalb des Lebens habe ich meine Erlebnisse nicht nur so erfahren, daß ich sie auf mein Ich beziehen kann, sondern es ist unleugbar, daß ich sie durch das, was ich in mir selbst erlebt habe, abgesehen von den äußeren Erfahrungen, verarbeitet habe. Ich bin reicher geworden an meinen inneren Erlebnissen. — Wer diese Tatsache der Lebensreife erlebt, die im Innern sich heranzüchtet, und sich ein Bewußtsein für die Steigerung der Lebensverhältnisse erwirbt, der weiß, daß dies von keiner äußeren Realität kommen kann, sondern nur von etwas, was in uns arbeitet. Und wer dann das gesamte Leben überblickt, wird sich klar machen, was auch schon in dem Zusammenhange dieser Vorträge erwähnt worden ist, daß er den Schlaf braucht, um wirklich zu dieser Lebenssteigerung, zu dieser inneren Entwickelung zu kommen. Wir wissen ganz genau, wenn wir unser Seelenleben prüfen, wie der Mangel an Schlaf unsere Vorstellungen zerstört, wie er in einer gewissen Weise verwüstend auf unsere Gemütsverfassung wirkt. Wir wissen, daß wir den Schlaf als etwas Schöpferisches brauchen, wenn das, was wir an der Außenwelt erfahren, was wir immer durch die äußere Welt wahrnehmen, wirklich in uns Lebensreife heranzüchten soll. Wir erfahren dadurch, daß gewiß nicht jenes Bild des Ich, welches wir am Tage beobachten, an uns arbeitet, daß aber die hinter diesem Bilde stehende Realität auch während des Schlafes hindurch arbeitet, denn der Mangel an Schlaf erweist sich eben als zerstörend für das Fortschreiten der Seelenentwickelung. So erkennen wir an der Steigerung, an der Reifwerdung des Seelenlebens das arbeitende Ich. Und indem wir erfahren, was uns fehlt, wenn der Schlaf nicht zur rechten Zeit eintritt, und dieses Ich ausgespannt wird aus der Verbindung mit der äußeren Leiblichkeit und — abgesehen von dieser — arbeiten kann, indem wir so erfahren, wie der Mangel an Schlaf die Steigerung unserer Lebensreife hindert, werden wir unser reales, wirkendes Ich gewahr. Nicht nehmen wir es in einem Bilde wahr, sondern als eine innere Kraft, die im Wachen und Schlafen das Leben hindurch wirkt.