Das Wesen der Ewigkeit und die Natur der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft
Wenn nun aber die Geisteswissenschaft weitergeht und im genaueren von diesem Leben spricht, welches nun zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verfließt, dann natürlich beginnt das Lachen aller derjenigen, welche heute auf dem festen Boden der Wissenschaft zu stehen glauben. Der Geisteswissenschafter kann dieses Lachen begreifen, denn er weiß, daß die Behauptungen der Menschen und auch ihr Lachen nicht von ihren Gründen und Beweisen abhängen, sondern von ihren Denkgewohnheiten. Wer diese Denkgewohnheiten so entwickelt hat, daß er nicht auf das einzugehen vermag, was die Geisteswissenschaft aus ihren Forschungen heraus über das Leben nach dem Tode zu berichten weiß, ’dem muß selbstverständlich alles, was in bezug auf dieses Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt gesagt wird, lächerlich oder gar als etwas Phantastisches oder Verträumtes erscheinen. Die Geisteswissenschaft zeigt nämlich, daß, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist, zunächst eine Erscheinung auftritt, welche sonst im Leben äußerst selten auftritt, aber sie tritt auch im Leben auf und ist dann auch wiederholt beobachtet worden. Das ist, daß der Mensch nach dem Tode zunächst so etwas erlebt wie eine nicht von Gefühlen und Empfindungen durchdrungene Rückschau auf sein eben abgelaufenes Erdenleben. Ich sage ausdrücklich eine Rückschau, die nicht von Gefühlen und Empfindungen durchzogen ist, sondern sich gleichsam wie in aufeinanderfolgenden Bildern dem Menschen die Summe des Erlebens seines letzten Erdendaseins darstellt. Das ist etwas, was nur kurze Zeit dauert. Im gewöhnlichen Leben wird dies erfahren, wenn der Mensch zum Beispiel so etwas erlebt, daß er dem Ertrinken nahe ist und einen Schock bekommt, aber nicht das Bewußtsein dabei verliert; wenn das Bewußtsein verloren geht, tritt die Erscheinung nicht auf. Aber Menschen, welche in einer solchen Lage waren, daß sie einen großen Schreck in einer Lebensgefahr durchgemacht haben, haben dann durch diesen Schrecken etwas wie eine Rückschau auf ihr bisheriges Erdenleben gehabt. Das geben sogar ganz nur der Außenwelt zugewendete Naturforscher zu, und ich habe bereits daran erinnert, daß der ausgezeichnete Kriminal- Anthropologe Moriz Benedikt beschreibt, wie er, als er einmal nahe am Ertrinken war, eine solche Rückschau auf sein vergangenes Leben gehabt habe. Durchaus kann die Geisteswissenschaft von solchen Naturen lernen, und sie lernt gern, wenn auch heute noch die Dinge so stehen, daß auf diesem Gebiete eine Gegenliebe nicht geübt wird.