{"corpus":"steiner","locus":"GA 61/1912-03-21/p015","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Was tritt ein, wenn ein Mensch einen solchen Schrecken durch eine Lebensgefahr durchmacht? Für einen Augenblick tritt dann das ein, daß er sich nicht seiner äußeren Leibeswerkzeuge bedient und dennoch das Bewußtsein behält. Der Mensch verliert durch ein solches Erlebnis die Möglichkeit, durch seine Augen zu sehen, durch seine Ohren zu hören und so weiter. Er wird gleichsam durch seine Innenwesenheit herausgerissen aus seinem physischen Leib, der alle Werkzeuge seines physischen Lebens enthält. Er wird herausgerissen aus dem gewöhnlichen Leben, behält aber doch das gewöhnliche Bewußtsein. Daraus nun, daß er eine Rückschau auf sein bisheriges Leben gewinnen kann, kann auch geschlossen werden, daß der Mensch, wenn er — und zwar bewußt - auf sein Inneres blickt, alles, was in seiner Erinnerung auftauchen kann, zu diesem seinem Inneren hinzurechnen muß. Denn indem er aus seinem physischen Leib herausgerissen wird, bleibt ihm diese Erinnerung. Der Mensch erlebt also in einem solchen Momente des Schreckens so in seinem Innern, wobei dieses Innere noch vom Gedächtnis erfüllt ist, was durch das ganze Leben hindurchgeht, aber in keinem Zusammenhange steht mit den äußeren Sinneswerkzeugen, die sonst das Bewußtsein vermitteln. Daher muß man davon sprechen, wenn man das Leben verstehen will, daß der Mensch mit einer feineren Seelen-Leiblichkeit verbunden ist, die der Träger des Gedächtnisses ist, die aber in einem solchen Momente aus dem äußeren Leibeswerkzeug herausgehoben ist. Der Mensch ist - das kann wieder der gesunde Menschenverstand einsehen — in einem solchen Schreck nicht im Schlafe, denn sonst müßte er im Schlafe auch eine solche Rückerinnerung haben. Daraus folgt, daß er bei einem solchen Schreck etwas in sich hat, was er im Schlafe nicht in sich hat.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Wesen der Ewigkeit und die Natur der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft","site_heading":null,"date":"1912-03-21","location":null,"word_count":272,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/61/1912-03-21/p015","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/61/1912-03-21/p015"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/61/1912-03-21/p015","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}