Das Wesen der Ewigkeit und die Natur der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft

GA 61/1912-03-21/p018 ·1912-03-21 · original (original)
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Wenn wir uns nun aber darüber klar sind, daß der Mensch während des ganzen wachen Tageslebens seinen physischen Leib abnutzt, daß im Grunde genommen das ganze wache Tagesleben - das zeigt sich ja in der Hervorrufung der Ermüdung — eine Art Zerstörungsarbeit ist, so können wir daraus ersehen, daß in der Nacht, weil wir am Morgen unsere bewußte Arbeit wieder aufnehmen können, die Zerstörung aufgehoben werden kann. So daß wir, während wir im Verlaufe des Wachzustandes, im Bewußtsein, an der Zerstörung unserer Leiblichkeit arbeiten, umgekehrt in der Nacht an der Wiederherstellung dessen tätig sind, was wir im Wachen zerstört haben. Wir sind also an der Wiederherstellung unseres Leibes beteiligt. Dadurch führen wir eine Tätigkeit aus, die wir nicht bewußt ausführen können, die unser Bewußtsein übertönt. In dem Augenblick, wo wir nur einigermaßen das Bewußtsein bekommen, steigen ja die eigentümlichen Traumbilder auf, die so sehr mit unserem Leibesleben zusammenhängen. Man braucht nur daran zu erinnern, wie zuweilen gerade krankhafte Zustände des Leibes sich in diesen Bildern ausleben. Da zeigt sich, in was das Bewußtsein verstrickt ist. Wenn nun nach dem Tode der physische Leib fort ist, dann ist keine Ermüdung auszubessern, dann entfällt die Arbeit des Menschen an seinem physischen Leibe. Dadurch treten aber auch die Kräfte, welche sonst während des Schlafes an dem physischen Leibe aufgewendet werden, in die Seele selbst zurück, und die Folge ist, daß die Seele nach dem Tode diese Kräfte, wenn sie vom physischen Leibe weg ist, in sich verwenden kann. Nun tritt diese Kraft als das auf, was Bewußtsein der Seele zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ist. In dem Maße, als die Seele frei vom physischen und ätherischen Leibe und allem, was dazu gehört, wird, tritt ein anderes Bewußtsein auf, das sich sonst nicht in dieser Art auslebt, nämlich in der Arbeit an dem physischen Leibe, und dadurch seiner selbst nicht bewußt werden kann.

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