{"corpus":"steiner","locus":"GA 61/1912-03-21/p020","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Was jetzt charakterisiert ist, stellt sich einer unbefangenen Lebensbeobachtung nicht immer in gleicher Art dar, sondern so, daß der Mensch in einer bestimmten Periode des Lebens die mit den Gedanken verbundenen Gefühle und Willensimpulse hinunterschickt, dagegen in einer anderen Lebensepoche sich mehr an den Gedanken hält. Die Lebensepoche, wo wir das, was unsere Schmerzen und Freuden und unsere Willensimpulse sind, so mehr an unser Unterbewußtsein abgeben, das ist die Zeit unserer Jugend, und in unserer Jugend sind wir auch am leichtesten geneigt, die bloßen Ideen abzusondern und unsere Gemütserlebnisse an das Unterbewußtsein abzugeben, so daß sie dann später als unsere Gemütsverfassung, ja, als unsere Leibesverfassung wirken. Immer mehr aber verfestigt sich unser Leib, und immer weniger und weniger sind die in unserem Bewußtsein liegenden Partien noch dieselben. Die Folge ist, daß wir nicht mehr so wie früher in das Unterbewußte hineinarbeiten können. Daher kommt es, daß das, was mit den Gefühlen und Willensimpulsen verbunden ist, auch mit den Gedanken später verbunden ist. Man fühlt, je älter man wird, wenn man das Leben nur in treuer Selbsterkenntnis beobachtet, daß man in der Jugendzeit den weitaus größten Teil dessen, was mit Gemütsstimmungen und so weiter verknüpft ist, hinuntersendet, damit es in der Leibesverfassung fortlebt. Je mehr man aber später fest und trocken geworden ist, desto mehr bleibt das, was im späteren Leben das Gemüt erlebt als Gemütsstimmungen, und bleiben die Willensimpulse, die sich nicht in Handlungen ausleben, mit den Gedanken verbunden. So sehen wir, daß das Innenleben in dieser Beziehung reicher wird, indem wir dem Tode zuschreiten. Wir sehen unsere Leiblichkeit nach und nach vertrocknen, nach und nach weniger fähig werden, um das in sich aufzusaugen, was wir in der Seele erleben. Dagegen aber wird die Seele frischer und reifer, wenn wir fortwährend an dem Leben als an einer Schule lernen können. Deshalb ist es, daß in der Jugend dasjenige, was mit Idealen, mit Ideen, ja mit bloßen Vorstellungen verbunden ist, unsere unbewußte Wesenheit durchzuckt, unser Blut, unser Nervensystem ergreift, sich darin einlebt, um dann im späteren Leben als unsere Lebenstüchtigkeit oder Lebensuntüchtigkeit herauszukommen. Im späteren Leben fühlen wir, daß unser Blut mit dem nicht mehr mit will, was wir an Enthusiasmus an unseren Idealen erleben. Das ist etwas, was durch die heutige verkehrte Erziehung gewissermaßen zurückgehalten wird, was aber immer mehr und mehr zu den besten Gütern und zur Seligkeit des Lebens gehören wird, indem nämlich dasjenige, was wir sonst an die Leiblichkeit abgeben und was sich mit ihr vereinigt, nun, während wir dem Lebenswinter zueilen, unsere Seelenverfassung stärker machen wird, aber nicht herein kann in das äußereLeibliche, weil ihm dieses äußere Leibliche Widerstände darbietet.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Wesen der Ewigkeit und die Natur der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft","site_heading":null,"date":"1912-03-21","location":null,"word_count":434,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/61/1912-03-21/p020","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/61/1912-03-21/p020"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/61/1912-03-21/p020","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}