Jakob Böhme

GA 62/1913-01-09/p004 ·1913-01-09 · original (original)
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Eine eigenartige Gestalt, dieser Jakob Böhme, eine Gestalt, die in Einsamkeit strebt und ringt, während sich sozusagen sonst im Geistesleben die einzelnen Strömungen zu einem großen umfassenden Tableau zusammenschließen. In einer gewissen Weise darf man sagen, daß das einsame Ringen Jakob Böhmes von einem gewissen Gesichtspunkte aus fast so interessant erscheint wie das Zusammenströmen der verschiedenen Gesichtspunkte, die uns sonst in jenem Zeitalter begegnen. Und dann sehen wir, wie ganz merkwürdig das, was Jakob Böhme in der eigenen, einsamen Seele in seinem Jahrhunderte noch fand, die denkbar weiteste Verbreitung gefunden hat, denkbar weiteste Verbreitung können wir sagen in Anbetracht dessen, daß es sich um eine tief bedeutsame geistige Sache handelt. Wir sehen gerade aus den Manifestationen seiner Gegner, wie weit sein Einfluß gereicht hat, nachdem nur wenige Jahrzehnte seit seinem Tode verflossen waren. Immer wieder und wieder ist Jakob Böhme der Gegenstand anerkennender, bewundernder, oder auch ablehnender, verspottender Betrachtung gewesen, und wenn wir auf das hinblicken, was sich an Anhängerschaft oder an Gegnerschaft gebildet hatte, so haben wir aus beidem den Eindruck, daß die Anhänger und die Bekämpfer wissen: sie haben es mit einer ganz merkwürdigen Erscheinung zu tun.

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Cite: GA 62/1913-01-09/p004 · edition original