Jakob Böhme

GA 62/1913-01-09/p008 ·1913-01-09 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Als Jakob Böhme einst mit anderen Hirtenknaben das Vieh hütete, entfernte er sich von der Gesellschaft der Knaben, bestieg einen mäßig hohen Berg in der Nähe seines Heimatortes, die Landskrone, und will da am hellen Mittag gesehen haben, daß sich etwas wie ein Eingangstor in den Berg fand. Er ging hinein und fand dort ein Gefäß, eine Art Bütte, angefüllt mit lauterem Golde. Das machte einen solchen Eindruck des Schauderns auf seine Seele, daß er davonrannte und nur die Erinnerung an dieses eigenartige Erlebnis behielt. - Man kann allerdings von einem im wachen Zustande geträumten Traume sprechen. Denen, die eine solche Erklärung befriedigen kann, mag man zwar immerhin recht geben. Aber es ist nicht das Wesentliche, ob man ein solches Ereignis einen «Traum» nennt oder ihm einen anderen Namen gibt, sondern was es in der Seele des Betreffenden, der es «träumt», auslöst, was es in der Seele für eine Wirkung ausübt. Aus der Art und Weise, wie Jakob Böhme später dieses Ereignis seinem Freunde erzählte, sehen wir, daß es sich tief in seine Seele eingegraben hatte, daß es in seiner Seele bedeutende Kräfte losgelöst hatte, so daß es seelisch für ihn von höchster Bedeutung war.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/62/1913-01-09/p008.json
Cite: GA 62/1913-01-09/p008 · edition original