Jakob Böhme
Jakob Böhme wurde im vierzehnten Jahre zu einem Schuster in die Lehre gegeben und mußte im Geschäft seines Lehrmeisters oft sozusagen Wache stehen; verkaufen durfte er nichts. Da kam einmal — wieder ist diese Erzählung aus dem Munde seines getreuen Biographen Abraham von Frankenberg herrührend — eine dem Jakob Böhme sofort sonderbar erscheinende Persönlichkeit in den Laden und wollte Schuhe kaufen. Weil aber dem Knaben verboten war, Schuhe zu verkaufen, so sagte er dies dem Fremden. Dieser bot ihm einen hohen Preis, und es kam dann auch dazu, daß die Schuhe verkauft wurden. Dann aber trug sich das Folgende zu, was Jakob Böhme zeitlebens im Gedächtnis blieb. Als der Fremde sich entfernt hatte und kurze Zeit verflossen war, hörte Jakob Böhme seinen Vornamen «Jakob, Jakob!» rufen, und als er hinausging, da kam ihm der Fremde noch sonderbarer vor als zuerst. Er hatte etwas Sonnenhaftes, Glänzendes in den Augen und sagte zu ihm Worte, die ganz sonderlich klangen: Jakob, du bist jetzt noch klein, aber du wirst einst ein ganz anderer Mensch werden, über den die Welt in Erstaunen ausbrechen wird. Doch bleibe demütig gegenüber deinem Gotte und lies fleißig die Bibel. Du wirst viel Verfolgung auszuhalten haben. Bleibe aber stark, denn dein Gott hat dich lieb und wird dir gnädig sein.