Jakob Böhme

GA 62/1913-01-09/p023 ·1913-01-09 · original (original)
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Es ist bekannt und wird oft erzählt, wie gewisse Tiere in Gegenden, wo ein Erdbeben oder ein sonstiges Elementarereignis herannaht, von der Stätte des Erdbebens oder dergleichen fliehen, oder daß sie wenigstens unruhig werden, so daß sie wie prophetische Vorherverkündiger dessen sind, was geschehen wird. Man kann sagen: Das instinktive Leben des Tieres hängt inniger mit dem zusammen, was sich draußen in der Natur vollzieht, als die ganze Seelenverfassung des Menschen. Aber in den Tiefen der Menschenseele lebt etwas, das nicht etwa dasselbe ist, wie der Instinkt der Tiere, sondern das tiefer ist als dieser tierische Instinkt, das auch wieder innig mit den Naturkräften zusammenhängt. Indem Jakob Böhme nun in die Tiefen seiner Seele hinuntersteigt, fühlt er sich inniger verwoben mit den Naturkräften. Besonders aber ist eines hervorspringend. Es wurde hervorgehoben: erst wenn das, was als Imaginationen und imaginative Welt auftritt, unterdrückt wird, ausgelöscht wird, und dann wie von selbst wieder aufleuchtet, erst dann hat diese zweite imaginative Welt einen Wert. Nun ist es höchst eigenartig, wenn wir damit den Weg bei Jakob Böhme vergleichen: Im Jahre 1600 erlebt er eine Wiedergeburt, fühlt sich entrückt in eine geistige Welt, in ein Freudenreich. Dann lebt er nüchtern fort. Zehn Jahre hindurch ist wie untergetaucht, was er erlebt hat. Dann taucht es ein drittes Mal auf im Jahre 1610. Ist dann nicht wie ein Naturereignis in Jakob Böhmes Seele der Weg eingetreten, den wir als den richtigen darstellten? Das ist es, was uns Jakob Böhme so nahe heranrückt an das, was wir selbst als den naturgemäßen Weg in die übersinnlichen Welten ins Auge gefaßt haben. Wenn wir dies berücksichtigen, wird sein Erlebnis uns nicht mehr so fremd erscheinen, als es auf den ersten Blick hin erscheinen kann.

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Cite: GA 62/1913-01-09/p023 · edition original