Jakob Böhme

GA 62/1913-01-09/p030 ·1913-01-09 · original (original)
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Wie konnte diese Frage vor das Gemüt Jakob Böhmes treten? Wir brauchen nur ein paar Worte aus der «Morgenröte im Aufgange» heranzuziehen und werden gleich sehen, wie das, was sonst ein Weltenproblem ist, für Jakob Böhme zunächst ein inneres Seelenproblem wird. Da sagt er ungefähr die folgenden Worte: Wenn sich irgendwo in der Welt ein verständiger und tiefsinniger Mensch zeige, so mische sich in seine Seele eben sogleich der Teufel hinein und suche seine Natur in das Gemeine, Alltägliche, Sinnliche herunterzuziehen, suche den Menschen in Hochmut und Überhebung zu verstricken. — Da sehen wir sogleich bei Jakob Böhme das Problem als ein Seelenproblem erfaßt, sehen, wie er in der Seele selbst die Gewalt des Bösen sucht, die mitten in die guten Seelenkräfte sich hineinmischt. Und es entsteht für ihn die Frage: Was hat die Seele mit den nach dem Bösen strebenden Seelenkräften zu tun? - So wird zuletzt das Problem des Bösen für Jakob Böhme zu einer inneren Seelenfrage. Aber weil sich «Seele» und «Welt» für ihn entsprechen, erweitert sich die Seele sogleich zu einer Welt, und jetzt ist es das Eigenartige für ihn, daß sich die Frage nach dem Bösen zu einer ganz anderen Frage ausbildet, zu der Frage nach dem menschlichen, ja, nach dem geistigen Bewußtsein überhaupt, nach der ganzen Eigenart des Bewußtseinslebens.

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Cite: GA 62/1913-01-09/p030 · edition original