Jakob Böhme
Für Jakob Böhme war die Fassung dieses Gedankens nicht eine Theorie, sondern das war für ihn etwas, was ihm Befriedigung brachte für eine Frage, die für ihn ein Schicksal bedeutet, für die große Faust-Frage. Er konnte sich jetzt sagen: Wenn ich mich zurückversetze in das göttliche Bewußtsein gleichsam vor der Welt, so konnte dieses göttliche Bewußtsein nur dadurch zu sich selbst kommen, wirkliches Bewußtsein werden, indem es sich die Welt entgegensetzte, damit es seiner an seinem Gegenwurfe gewahr werden konnte. So ist alles, was da lebt und webt und ist, aus dem Göttlich-Seelenhaften entsprungen, aus einem Willen dieses Göttlich-Seelischen, der als Wille die Begierde entwickelte, seiner selbst gewahr zu werden. Und in dem Augenblicke - das wurde Jakob Böhme jetzt klar -, wo sich das einheitliche Bewußtsein den Gegenwurf setzte und seiner selbst gewahr werden wollte, sich also verdoppelte, gleichsam das Spiegelbild seiner selbst schuf, da schuf es dieses Spiegelbild in Mannigfaltigem, in der Mannigfaltigkeit einzelner Glieder, wie sich die einzelne menschliche Seele nicht bloß in einzelnen Gliedern auslebt, sondern in Gliedern, die eine gewisse Selbständigkeit haben, Hand und Fuß und Kopf und dergleichen. Man kommt Jakob Böhme nicht nahe, wenn man ihn als einen Pantheisten bezeichnet. Man muß schon den Gedankengang in einer ähnlichen Weise durchmachen, muß verstehen, wie er alles, was uns entgegentritt, als einen Gegenwurf der Gottheit auffaßt.