Jakob Böhme

GA 62/1913-01-09/p037 ·1913-01-09 · original (original)
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Daß Jakob Böhme nicht einen gewöhnlichen Pantheismus meint, drückt er dadurch aus, daß er sagt: Die äußere Welt ist nicht Gott, wird auch ewig nicht Gott genannt, sondern ein Wesen, darin sich Gott offenbart. - Wenn man sagt: Gott ist alles, Gott ist Himmel und Erde und auch die äußere Welt, so ist das wahr; denn von ihm und in ihm urständet alles. Was mache ich aber mit einer solchen Rede, die keine Religion ist? —- Einen Pantheisten kann man ihn nicht nennen. Wie für ihn die Frage nach dem Wesen der Welt nicht etwas Gesuchtes ist, so auch nicht das, was er sich als Antwort darauf gibt, sondern es ist ein Erlebnis für ihn. Er hat die Bedingungen des eigenen Bewußtseins gefühlt und dehnt das aus auf das göttliche Bewußtsein, weil er sich klar ist, daß sein Bewußtseinsvermögen ein Echo ist der Tatsachen der Welt. In der Beantwortung der Frage nach der Seele und dem Göttlichen der Seele findet er auch die Frage nach dem Ursprunge des Bösen beantwortet. Das ist etwas für Jakob Böhme außerordentlich Charakteristisches, was immer wieder die Bewunderung von tiefsinnigen Denkern erregt hat. So war zum Beispiel Schelling ganz bedeutsam berührt, als er gewahr wurde, in welcher Art sich Jakob Böhme der Frage nach der Bedeutung des Bösen in der Welt näherte, und auch andere Denker des neunzehnten Jahrhunderts bewunderten den Tiefsinn, mit dem Jakob Böhme diese Frage anpackte.

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Cite: GA 62/1913-01-09/p037 · edition original