Jakob Böhme

GA 62/1913-01-09/p051 ·1913-01-09 · original (original)
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Seine Gegner nehmen sich manchmal recht sonderbar aus, angefangen vom Jahre 1684, als die erste stärkere Gegenschrift gegen Jakob Böhme von Calov erschienen ist, bis in unsere Zeit, wo wir im vorigen Jahrhundert auch eine Schrift gegen Jakob Böhme von einem Leipziger Gelehrten, Dr. Harles, haben. Recht sonderbar erscheint es, wie Harles zeigen will, daß Jakob Böhme doch weiter nichts als alte alchimistische Dinge aufwärmte, und dann sagt: nachdem er sich oft tagelang gequält hat, so Jakob Böhme hinzustellen, da war er oft froh, wenn er abends, nachdem er sich des Tages über so mit Jakob Böhme befassen mußte, an Matthias Claudius herantreten konnte, um in seinen Worten Erholung und Erbauung zu finden; und er wünscht auch seinen Lesern, daß sie sich nicht von den gleißenden und glimmernden Formeln Jakob Böhmes berücken lassen möchten, sondern daß auch sie ihre Zuflucht zu dem einfachen und naiven Matthias Claudius nehmen möchten, der solches der Seele gibt, daß die Seele ihr Heil nicht zu suchen braucht im Aufschwunge zu den höchsten Höhen des geistigen Lebens. Mag nun sein, daß jener Dr. Harles, der Widersacher von Jakob Böhme, zu Matthias Claudius seine Zuflucht nehmen mußte, um von den gleißenden, hochfliegenden Formeln Jakob Böhmes abzukommen, und daß er bei Claudius Ruhe finden konnte gegenüber dem Sichbeschäftigen mit Jakob Böhme. Einen sonderbaren Eindruck macht es nur bei einem, der es weiß, daß Matthias Claudius selber, nachdem er das geleistet hatte, was Dr. Harles bei ihm findet, seinerseits seine Zuflucht suchte bei jemandem, der Jakob Böhme nicht nur kannte, sondern ihn sogar übersetzt hat — bei Saint Martin, der wieder ein getreuer Schüler von Jakob Böhme war! So ist es sehr gut, wenn man nicht nur weiß, woran Dr. Harles, der Gegner Jakob Böhmes, Erbauung sucht, sondern wenn man auch weiß, woran wieder Matthias Claudius seine Erbauung suchte!

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Cite: GA 62/1913-01-09/p051 · edition original