13. Die Moral im Lichte der Geistesforschung

GA 62/1913-04-03/p005 ·1913-04-03 · original (original)
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Wenn man nun auch mit solchen philosophischen Weltanschauungen keineswegs vollständig einverstanden zu sein braucht, so wird man doch wieder sagen können, daß solche Weltanschauungen gerade zu einer solchen Meinung, zu einer solchen Anschauung, wie sie bei Plato und Schopenhauer gezeichnet worden ist, dadurch kommen, daß sie die ganze Würde und Bedeutung des Moralischen in der Menschheitsentwickelung empfinden und daher die moralischen Impulse in den Urgründen des Weltendaseins nicht missen möchten. Man wird, wenn man auch theoretisch nicht vollständig mit solchen Weltanschauungen einverstanden ist, dennoch das an ihnen lernen und begründet finden können, daß eine jegliche Weltanschauung, welche in das menschliche Leben und in das menschliche Handeln eingreifen soll, gewissermaßen gerechtfertigt erscheinen muß vor dem Richterstuhle der Moral, so erscheinen muß, daß die Moral zu ihr ein unbedingtes Ja sagen kann. Daher ist die Auseinandersetzung einer jeden Weltanschauung mit den moralischen Impulsen des Daseins eine Notwendigkeit. Aus solchen Untergründen heraus ist das Thema der heutigen Betrachtung gewählt worden, welches das Verhältnis dessen, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist, zu den moralischen Prinzipien und Impulsen der Menschenseele behandeln soll.

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