{"corpus":"steiner","locus":"GA 62/1913-04-03/p022","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun ist eine andere Vorbereitung notwendig, damit der Mensch nicht wieder bloß das vernimmt, was ihm sein eigenes Wesen enthüllt, sondern damit er eine objektive, wirkliche Welt kennenlernt. Dazu ist notwendig die Erhöhung einer ganz besonderen Tugend der Seele. Solche Dinge lassen sich ja nur durch Erfahrung feststellen. Wer zur Inspiration gelangen will, muß in einer höheren Weise, als es für die gewöhnliche Welt notwendig ist, in sich die Tugend des moralischen Mutes, der Standhaftigkeit, des Starkmutes zur Ausbildung bringen. Denn nur wer moralischen Mut hat, wer nicht vor irgend etwas zurückschreckt, was seine eigene Persönlichkeit unter Umständen gefährden kann, wird demjenigen standhalten können, was aus den geistigen Wirklichkeiten heraus durch Inspiration zu ihm spricht. Und jeder, der zu wenig Starkmut und moralischen Mut entwickelt hat, bevor er in die geistigen Welten eintritt, wird sehr bald bemerken - oder vielmehr wird er es nicht so leicht bemerken, aber die andern, die etwas von der Sache verstehen, werden es bemerken —, daß zwar gewisse Dinge aus der geistigen Welt zu ihm sprechen, aber daß alles dieses, was so zu ihm spricht, nur ein Echo seiner eigenen Wesenheit ist. Weil seine Seele nicht stark genug ist, weil sie nicht in sich selber vollen Halt hat, deshalb kann sie nicht das in sich bewahren, was sie ist, sondern strahlt es aus, und es kommt das zu ihr zurück, was sie selber ist. Eine Seele, die nicht durch moralischen Mut für die Inspiration vorbereitet wird, wird sich sehr bald als eine solche darstellen, die etwas wie «geistige Stimmen» hört, aber diese geistigen Stimmen werden nichts anderes sein als das, was sie selber in sich trägt, was nur ein Echo des eigenen Wesens ist. Wenn dann eine solche Seele dar aufkommt, daß es so Ist, dann wird sie erst recht durch das, was da aus der geistigen Welt zu ihr dringt, niedergeschlagen werden. So sehen wir, daß wiederum eine wesentliche Eigenschaft der Seele, eine Eigenschaft, welcher der moralische Charakter nicht abgesprochen werden kann, verstärkt und befestigt werden muß, wenn diese Seele in die übersinnliche Welt hinaufdringen will: der moralische Mut, der Starkmut. Der ist notwendig als Vorbereitung für die wirkliche Inspiration. Daraus kann nun leicht abgeleitet werden, daß es vor allen Dingen nötig ist, seinen moralischen Mut schon in der physischen Welt zu stärken, bevor man zum Geistesforscher werden will, damit die Seele wirklich die Offenbarungen desjenigen, was durch Imaginationen gegeben wird, auch durch Inspirationen wahrnehmen kann.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"13. Die Moral im Lichte der Geistesforschung","site_heading":null,"date":"1913-04-03","location":null,"word_count":402,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/62/1913-04-03/p022","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/62/1913-04-03/p022"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/62/1913-04-03/p022","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}