{"corpus":"steiner","locus":"GA 62/1913-04-03/p032","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das ist das bedeutsame, hier früher erschütternd genannte Erlebnis, daß man merkt: Ja, man muß von sich loskommen, aber dieses Wesen, das man war, dem man da gegenübersteht, das will einen nicht loslassen, das zieht einen mit hundert und aber hundert Kräften an sich. — Und verfällt man diesen Kräften, kann man nicht frei werden von dem, was man bisher «sich» genannt hat, so kann man nicht in die geistige Welt eintreten. Indem man sich kennenlernt, lernt man das Band kennen zwischen der höheren Welt, zwischen den im Menschen immer schlummernden höheren Erkenntniskräften, und zwischen dem, was man in der physischen Welt ist. Theoretisch ausgesprochen, könnte dieses Von-sich-Loskommen leicht erscheinen. Wird dieses Ereignis erlebt, nicht nur erlebt durch Geistesschulung, sondern durch das erlebt, was der Mensch durch Geistesschulung erkennen kann, so zeigt es sich, daß diese wie magnetisch wirkenden Kräfte nicht durch das Urteil so unbedingt zu überwinden sind, sondern daß mit dem Von-sich-Loskommen auch die Stärke der fesselnden Kräfte wächst, so daß man fühlt: Alles, was einen zurückziehen will, wird stärker, je mehr man von sich loskommt. Man merkt immer mehr und mehr, was einen zu der gewöhnlichen Persönlichkeit hinzieht, und man merkt auch immer mehr, wie es notwendig ist, daß man vorher Kraft gewonnen hat, um diesen magnetischen Kräften zu widerstehen. Das heißt, man muß dem eigentlichen Eintreten in die geistige Welt tatsächlich vorangehen lassen ein solches Erstarken der Seelenkräfte im Guten, im Moralischen, ein solches Hinneigen zu dem, was der Geist von uns fordert, daß man mit einer stärkeren Kraft, als es in der physischen Welt notwendig ist, den Verlockungen der niederen Persönlichkeit widerstehen kann.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"13. Die Moral im Lichte der Geistesforschung","site_heading":null,"date":"1913-04-03","location":null,"word_count":268,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/62/1913-04-03/p032","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/62/1913-04-03/p032"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/62/1913-04-03/p032","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}