{"corpus":"steiner","locus":"GA 62/1913-04-03/p037","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"So sehen wir, wenn wir im geisteswissenschaftlichen Sinne die moralischen Grundlagen der Menschenseele betrachten, daß wir tatsächlich an das rühren, was in dieser Menschenseele tätig ist, was in ihr als Impulse vorhanden ist, indem die Seele sich von dem einen Leben in das andere hinüberlebt und das neue Leben nach dem aufbaut, was sie sich als Ursachen aus dem vorherigen mitgebracht hat. So wird Moral zur gestaltenden Kraft von dem einen Leben in das andere hinüber, und wir predigen dann nicht nur Moral, sondern wir zeigen, was Moral tut, wie sie als Kraft in der Menschenseele wirkt, und dann fallen in der Tat alle diejenigen Einwände hinweg, die manchmal mit einem scheinbaren Recht gegen die Geisteswissenschaft gemacht werden. Es wird oftmals gesagt, wenn die Geisteswissenschaft von wiederholten Erdenleben in dem Sinne spreche, daß sich durch das Karma in einem folgenden Leben ausgleichen würde, was ein Mensch an Freud oder Leid erfahren hat, so begründe dies einen gewissen Egoismus. Aber wenn man sich nicht um Worte streitet, sondern auf dasjenige sieht, worauf es ankommt, wenn man nicht bloß von Moral-Predigen, sondern von Moral-Begründen sprechen will, dann muß gesagt werden: Um immer moralischer und moralischer zu werden, muß die Seele immer vollkommener und vollkommener werden, das heißt, es müssen für ihr Vollkommenerwerden die inneren Impulse aufgezeigt werden. Es muß also aufgezeigt werden, wie moralische Impulse mit der Vollkommenheit oder Unvollkommenheit der Seele zusammenhängen. Wenn es sich also darum handelt, das Verhältnis von Geisteswissenschaft zur Moral darzustellen, dann können wir sagen: Diese Geisteswissenschaft ist vor den berechtigten Anforderungen der Moral ganz gewiß gerechtfertigt, denn in ihre bedeutsamsten Forderungen muß sie die moralischen Forderungen zugleich aufnehmen. Ja, sie rechtfertigt in einer gewissen Weise jene Impulse, die bei einem solchen Denker wie zum Beispiel Plato gewaltet haben, der das Göttlich-Geistige als das «Gute» bezeichnet hat, indem sie zeigt, wie das Geistige nur das Gute verträgt, das heißt mit dem Guten innig verwandt sein muß.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"13. Die Moral im Lichte der Geistesforschung","site_heading":null,"date":"1913-04-03","location":null,"word_count":319,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/62/1913-04-03/p037","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/62/1913-04-03/p037"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/62/1913-04-03/p037","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}