13. Die Moral im Lichte der Geistesforschung
So darf die Geisteswissenschaft als etwas gelten, was nicht in einer äußerlichen Weise, sondern in einer innerlichen Weise die Prinzipien, welche Moral begründen, schon in sich enthält. Und neben vielem anderen, wovon wir im nächsten Vortrage noch zu sprechen haben, was die Geisteswissenschaft dem Menschen geben soll für den inneren Halt seiner Seele, für die Gesundheit seiner Seele, für alles, was er braucht an Kraft zur Arbeit, an Sicherheit, um sich im äußeren Leben aufrechtzuhalten und durchzudringen zu dem, was seine Aufgabe ist, zu alledem kann uns die Geisteswissenschaft noch etwas hinzugeben, was eine wichtige Beigabe zur Auffassung des menschlichen Lebens ist, was die Menschenseele befriedigen soll. Haben wir doch im Beginne dieses Vortrages darauf aufmerksam gemacht, wie Moral und moralische Beurteilung in jene Tiefen der Menschenseele hinweisen, wo die Seele mit heiliger Scheu stille steht vor der anderen Seele, weil sie sich der Schwierigkeit bewußt ist, an das heranzudringen, wo die moralischen Impulse in der Seele liegen. Haben wir also gesehen, daß der, welcher von den moralischen Prinzipien im Leben spricht, an jene unbekannten Tiefen der Menschenseele rührt, vor denen wir mit höchster Achtung stehen müssen, so stehen, daß wir uns sagen müssen, ein jeder unberechtigte Eingriff in diese Menschenseele ist selber ein Unmoralisches -; stellt uns Moral vor jeden unserer Mitmenschen so hin, daß wir unmittelbar ahnen: Wir stehen da mit der moralischen Beurteilung vor den Tiefen seiner Seele — so zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß diese Tiefen der Menschenseele, wenn sie gestärkt werden, wenn sie gekräftigt und erfestigt werden, in der Tat in die objektive geistige Welt hinaufführen, nur allein dann die Seele zum Mitbürger der geistigen Welten machen.