13. Die Moral im Lichte der Geistesforschung
Dasjenige also, vor dem wir im moralischen Urteile mit heiliger Scheu stehen, das erweist sich uns zugleich als das, was allein eigentlich den «Passierschein» hat, um die Schwelle zu übertreten, hinter welcher der Geist mit seinen Geheimnissen waltet. Das aber macht uns aufmerksam auf das Wesen der Menschenseele, auf die Verwandtschaft der Menschenseele, wo diese sich in ihren Tiefen ergreift, mit dem guten Geist. Und das ist etwas, was uns das Leben in jenem tiefen Sinne verständlich macht, daß wir uns denn doch sagen müssen — auch da, wo wir nicht mit dem moralischen Verhalten einer Menschenseele, die uns entgegentritt, einverstanden sein können, ja selbst wo wir ihr Verhalten hart verurteilen müssen — daß wir uns sagen dürfen, indem wir auf das Durchgehen der Menschenseele durch wiederholte Leben hinschauen: Ja, selbst in den Tiefen der Menschenseele, die wir sogar, berechtigterweise, moralisch verurteilen müssen, lebt etwas, was sie verwandt macht mit der geistigen Welt, wenn sie nur in ihre Tiefen dringen will, und sich bewußt werden will der Quellen der Moral in ihren Tiefen!