Das Böse im Lichte der Erkenntnis vom Geiste
Philipp Mainländer schaute hin auf das, was ihm die äußere Wissenschaft, was ihm unsere Zeit von ihrem materialistischen Gesichtspunkte aus zu sagen wußte, und da konnte er eben nur finden die übelvolle Weltund den Menschen, mit dem Bösen veranlagt. Er konnte es nicht ableugnen, daß der Druck dieser neueren Weltanschauung so stark ist, daß er die Seele verhindert, zu einer geistigen Welt hinaufzuschauen. Denn wollen wir es uns hier nur nicht verhehlen: warum kommen denn heute so wenig Menschen zur Geisteswissenschaft? Das ist deshalb, weil der Druck der Vorurteile des Materialismus oder, wie man es heute nobler nennt, des Monismus so stark ist, daß er die Seelen verfinstert, um in die geistigen Welten einzudringen. Wenn man die Seelen unabhängig sich selber überließe und nicht durch die materialistischen Vorurteile betäubte, so würden sie sicher zur Geisteswissenschaft kommen. Aber der Druck ist groß, und erst von unserer Zeit an kann man sagen: Es ist die Epoche herangerückt, in welcher man miteiniger Aussicht Geisteswissenschaft vor den Menschen vertreten kann, weil die Sehnsucht der Seelen so stark geworden ist, daß die Geisteswissenschaft ein Echo in den Seelen finden muß. In dem zweiten und dritten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts konnte dieses Echo nicht vorhanden sein. Da war der Druck des Materialismus so stark, daß selbst eine so sehr zum Geiste hinstrebende Seele wie diejenige Philipp Mainländers niedergehalten wurde. Und da kam er denn zu einer eigenartigen Anschauung, zu der Anschauung: in der gegenwärtigen Welt finde man allerdings kein Geistiges. Wir haben in Mainländer im neunzehnten Jahrhundert einen Geist vor uns, der nur deshalb keinen großen Eindruck auf die Zeitgenossen gemacht hat, weil der Geist des neunzehnten Jahrhunderts, trotz der großen Fortschritte auf materiellem Gebiete, ein oberflächlicher Geist war. Aber was die Seele im neunzehnten Jahrhundert fühlen mußte, das hat Mainländer, selbst wenn er allein stand, gefühlt, weil er gewissermaßen der Weise war gegenüber denjenigen, die sich wie in einer geistigen Ohnmacht über das hinwegsetzten, was die Seelen in einer materialistischen oder monistischen Weltanschauung unbefriedigt lassen muß. Man braucht nicht die etwas dicken Bände der «Philosophie der Erlösung» Mainländers sich vorzunehmen, sondern nur das verhältnismäßig recht gute Büchlein von Max Seiling, um sich von dem zu unterrichten, was ich jetzt sage.