Zwischen Tod und Wiedergeburt des Menschen
Mit diesen und mit vielen andern Worten, die ich noch zur Charakteristik der Sache beibringen könnte, möchte ich aufmerksam machen auf die Seelenstimmung einer heiligen Scheu, einer unbegrenzten Ehrfurcht gegenüber der Wahrheit und Wahrhaftigkeit und Erkenntnis, welche der geisteswissenschaftlichen Forschung eigen sein muß. Immer mehr und mehr ergibt sich daraus, wie die Seele über sich hinauswachsen muß, wie sie immer weniger und weniger darauf bedacht sein muß, endgültige Urteile zu fällen aus der gewöhnlichen Tagesverfassung heraus, und wie sie immer mehr und mehr Sorgfalt darauf verwenden muß, um die Kräfte zur Erreichung eines Standpunktes vorzubereiten, welcher der Wahrheit gegenüber würdig ist. Kurz gesagt: immer mehr und mehr kommt der im geisteswissenschaftlichen Sinne handelnde Wahrheitssucher dazu, Sorgfalt auf die Vorbereitung der Seele zu verwenden, auf das Heranbilden von Fähigkeiten für die Wahrheit und immer mehr und mehr kommt er davon ab, mit den gewöhnlichen Seelenkräften, mit der gewöhnlichen Kritik an diese Wahrheit herantreten zu wollen. - Nur die Stimmung, in welcher die Geisteswissenschaft selber solchen Dingen gegenüber ist, wie sie nunmehr ausgesprochen werden sollen, wollte ich mit diesen Einleitungsworten andeuten. Nun will ich ohne weiteres zu dem Gegenstande übergehen, von dem ich glaube, daß er durch die Vorträge dieses Winters in genügender Art vorbereitet ist.