Zwischen Tod und Wiedergeburt des Menschen

GA 63/1914-03-19/p013 ·1914-03-19 · original (original)
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Daher können wir sagen: Es vergehen nach dem Tode Jahre, in denen die Seele damit beschäftigt ist, allmählich sich von dem letzten Leben loszureißen, den Zusammenhang mit dem letzten Leben sich abzugewöhnen. Diese Jahre vergehen so, daß wir nicht etwa herausgerissen sind aus den Erlebnissen des letzten Lebens. Wir hängen zusammen mit den Menschen, die wir verlassen haben, die wir geliebt haben; aber wir hängen dadurch zusammen, daß wir im Leben gewisse Gefühle und Zusammenhänge mit ihnen gewonnen haben; und auf dem Umwege dessen, was uns das Leben geboten oder versagt hat, hängen wir mit ihnen zusammen. Man muß sich ja immer hierbei bildlich ausdrücken. Man kann durchaus nach dem Tode in Zusammenhang bleiben mit dem, dem man im. Leben nahestand, aber nur dadurch, daß man einen Zusammenhang hat in den Gefühlen, die man im Leben mit ihm gehabt hat. Dadurch bildet sich ein intensiver Zusammenhang mit ihm heraus. Man lebt nach dem Tode mit den Lebenden zusammen, aber auch mit den schon Verstorbenen, mit denen man im Leben einen Zusammenhang gehabt hat. So muß man sich also das Leben nach dem Tode vorstellen, daß es in dieser Weise durch Jahre hindurch dauert. Es ist vorzugsweise ein Leben, in welchem die Seele alles, was sie will und begehrt und verlangt, gleichsam im gefühlten und gewollten Erinnerungszusammenhange mit dem letzten Leben durchlebt.

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