Zwischen Tod und Wiedergeburt des Menschen

GA 63/1914-03-19/p023 ·1914-03-19 · original (original)
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Aus diesen Erlebnissen bildet sich in der Seele selbst die Kraft heraus, sich wieder mit dem Erdenleben zu verbinden. Nur muß ich noch erwähnen, daß auch in der zweiten Hälfte des Daseins zwischen Tod und neuer Geburt das Leben wieder so verläuft, daß es sich in Kreisen, zyklisch, abspielt. Wir müssen da wieder unterscheiden die Zeit des Lebens in jener Außenwelt, wo wir unsere früheren Freunde und Verwandten, unsere Ideale und so weiter erschauen, gleichsam äußerlich objektiv erleben, und dann jene andere Zeit, wo wir ihnen entzogen sind, wo wir sie nur in unserm Innern haben. Das wechselt wieder mit Notwendigkeit für die Seele ab, wie im gewöhnlichen Leben Wachen und Schlafen, Tag und Nacht abwechseln. Und aus den Kräften, die sich in der Seele durch den Anblick alles desjenigen entwickeln, was ich eben charakterisiert habe, entsteht in der Seele die Fähigkeit, zunächst geistig-seelisch sich das Urbild des neuen Erdenlebens auszubilden. Was wir haben fortschicken müssen als die in Gedanken verwandelten Lebenserfahrungen, das schauen wir noch nicht gleich, wenn wir in die zweite Hälfte des Lebens zwischen Tod und Wiedergeburt eintreten. Aber es liegt in dem kreativen Wollen und in dem kreativen Fühlen, daß die Seele dieses Leben als Kraftsteigerung empfindet; und diese Kraftsteigerung bewirkt, daß aus der umliegenden geistigen Substanz sich etwas wie das Urbild zu einem neuen Leben an kristallisiert. In der geistigen Welt ist nämlich ein anderes Verhältnis zwischen dem Wahrnehmen und dem seelischen Erleben, als in der physischen Welt. In der physischen Welt nehmen wir die Außenwelt wahr; sie ist dann in unseren Gedanken darinnen, aber die Gedanken sind passiv. Wenn wir die geistige Welt in der geschilderten Weise erleben, wenn wir die seelischen Überbleibsel unseres vergangenen Lebens, der uns Nahestehenden, unserer früheren Freunde, unserer Ideale, in der geistigen Welt ansehen, so bildet das eine Kraft aus, die uns durchlebt und durchwebt; das macht, daß wir erkraftet werden. Und dieses Erkraftetwerden ist dasselbe, was uns zu einem neuen Erdenleben hintreibt. — Sie werden schon entschuldigen, daß mancherlei Ausdrücke so gewählt werden müssen, daß sie ungewöhnlich sind; aber es werden ja auch für das gewöhnliche Leben ungewöhnliche Verhältnisse geschildert.

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