Zwischen Tod und Wiedergeburt des Menschen

GA 63/1914-03-19/p028 ·1914-03-19 · original (original)
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Man muß sagen: Gerade wenn man in dieser Weise in das geistige Leben zwischen Tod und Wiedergeburt hineinzusehen versucht, wird man gewahr: ganz andere Kräfte spielen dort, als jene im Leben zwischen Geburt und Tod, aber Kräfte, die sich naturgemäß anreihen, möchte man sagen, an alles, was uns das äußere Leben im Leibe bietet. Offen gestehe ich: Niemals hätte ich durch irgendwelche bloß philosophischen Gedanken, durch irgendwelche Verstandesanstrengungen zu dem kommen können, was ich heute vor Ihnen auszusprechen wagte; nur auf dem Wege der Geistesforschung, der hier so oft geschildert worden ist, können sich diese Dinge ergeben. Wenn man sie aber dann hat und sich fragt: Passen sie zu dem Erdenleben hinzu, zu dem, was wir zwischen Geburt und Tod erleben? - so stellt sich allerdings eine vollständige Anpassung an das Leben dar. Und wenn auch die Frage entstehen könnte: Warum erinnert sich der Mensch nicht an die früheren Erdenleben? so kann geantwortet werden: Der Geistesforscher sieht, indem der Mensch aus dem Leben zwischen Tod und Wiedergeburt heruntersteigt zu einem irdischen Leben, daß er die Kräfte, welche sich an alles zurückerinnern könnten, was ich jetzt erzählt habe, zunächst verwenden muß zur inneren Ausgestaltung, zur plastischen Ausgestaltung seines sinnlich-physischen Leibes, der ja vom Menschen selber plastisch ausgestaltet und auch erhalten wird. Was der Mensch an Kräften aufwendet, um die Dämmerung der ersten Kindesjahre in waches Bewußtsein für das spätere Erdenleben zu verwandeln, was er aufwendet, um den Leib so umzuwandeln, daß das dämmernde Kindheitsleben zum wachen Leben sich umwandeln kann, das ist von denjenigen Kräften aufgewendet, welche der Mensch umwandeln könnte, um sich seiner früheren Erdenleben zu erinnern. In den Leib hinein fließen sie, stark machen sie den Menschen in bezug auf das Leben zwischen Geburt und Tod. Und erst wenn der Geistesforscher seine Seele losreißt von dem physischen Leib, wenn er zu einem Erleben außer dem physischen Leibe kommt, wenn er also die Kräfte wiederum frei macht, welche der Mensch sonst dazu verwendet, um seine Augen zum Sehen zu veranlassen, um seine Ohren zum Hören, seine Glieder zum Bewegen zu bringen, wenn er diese Kräfte anwendet, um rein in der Seele zu erleben, dann dehnt sich sein Blick über den rein geistigen Horizont aus, wo das erlebt wird, was ich heute geschildert habe. Es werden also die Kräfte der Rückerinnerung, die man etwa im Menschen vermuten könnte, vom Geistesforscher in ihrer Umwandelung geschaut.

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Cite: GA 63/1914-03-19/p028 · edition original