Zwischen Tod und Wiedergeburt des Menschen
So geht die Geistesforschung, wenn sie von der Unsterblichkeit der Seele spricht, einen anderen Weg als jenen, den eine bloße Begriffsphilosophie gehen kann. Die Geisteswissenschaft tritt nicht so an die Unsterblichkeitsfrage heran, daß sie die Unsterblichkeit beweisen will, sondern sie geht so vor, daß sie zunächst die Wege sucht, wie man die Seele selber finden kann, daß sie die Wege nach der Seele, nach der Wesentlichkeit der Seele sucht. Und hat man die Seele, weiß man, wie sie sich innerlich erlebt, dann hat man nicht nötig, äußerliche philosophische Beweise zu ersinnen für die Unsterblichkeit der Seele. Denn man merkt dann: Was über den Tod hinausführt, was durch ein Leben zwischen Tod und Wiedergeburt durchgeht und zu einem immer wieder erneuerten Erdenleben führt, das ist im Leben zwischen Geburt und Tod schon in uns drinnen, und indem wir es in uns erkennen, erkennen wir es zugleich in seiner Unsterblichkeit. Das ist hier im Leben so gewiß enthalten, wie wir beim Pflanzenkeim wissen: er wird sich entwickeln, indem er ein neues Pflanzenwesen hervorbringen wird. So können wir bei der Seele wissen, daß sie unsterblich ist. Aber vom Pflanzenkeim wissen wir, daß er zur menschlichen Nahrung verwendet werden kann. Ein solches äußerliches Abziehen ist bei dem menschlichen Seelenkern nicht wahrzunehmen; sondern gewiß ist es, daß das, was in der Seele lebt, zugleich die Anwartschaft ist für folgende Erdenleben, und damit die Anwartschaft auf die Unsterblichkeit der Seele, und nicht zu etwas anderem zur Verwendung kommt, wie es beim Pflanzenkeim sein kann. Daher darf man von der Unsterblichkeit einer jeden Seele sprechen.