Geisteswissenschaft als Lebensgut
Es ist begreiflich: man wird ebenso, wie man an die äußere ärztliche Wissenschaft oder Kunst herankommt, auch an die Geisteswissenschaft herankommen, weil man dieselben Denkgewohnheiten beibehält. Oft auch, wenn man in sie eindringen will, wird man sagen: Was für ein Heilmittel hast du für diese Krankheit, welches für jene? Und oft wird von der Geisteswissenschaft die Angabe von Heilmitteln gefordert. Gewiß, die Geisteswissenschaft wird auch zutage fördern, was wirkliche konkrete Heilmittel sind; aber man muß verstehen, daß sie nicht nur dieses oder jenes Heilmittel angeben will, sondern daß sie vor allem sich gibt. Nur wird sie nicht immer mit Verständnis hingenommen. Was die Geisteswissenschaft sagen kann, wenn man nach einer Heilmethode fragt, ist die Antwort: Nimm mich selber, dann wirst du meine heilenden Kräfte verspüren! Aber das ist unbequem für manchen, der oft etwas ganz anderes sucht. -— Natürlich wäre es eine Trivialität, wenn man einwenden würde, daß manchem, der sich mit Geisteswissenschaft beschäftigte, und der früh gestorben oder von dieser oder jener Krankheit befallen worden ist, diese Geisteswissenschaft nichts helfen konnte. Denn man müßte erst die Gegenprobe bringen: ob jemand, der sich mit Hilfe der Geisteswissenschaft bis zum 45. Jahre erhalten hat, nicht vielleicht ohne sie nur 35 oder 40 Jahre alt geworden wäre. Die Methoden der Widerlegung sind oft nicht so leicht.