Geisteswissenschaft als Lebensgut

GA 63/1914-04-23/p017 ·1914-04-23 · original (original)
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Vor allem muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß der Schlaf nur das ausgleichen kann, was im physischen Leibe verdorben oder verbraucht ist, also im Grunde genommen Kräfte aus den geistigen Welten nur so weit schöpfen kann, als die Grenzen der geistigen Anlagen gehen, die der Mensch durch die Geburt ins Dasein bringt. Es holt die Geisteswissenschaft ihre Kräfte aus derjenigen Welt heraus, mit welcher der Mensch geistig zusammenhängt. Man kann deshalb sagen: der Schlaf ist ein Heilmittel insofern, als er verbrauchte, abgearbeitete Kräfte ausgleichen kann. Die Geisteswissenschaft führt entweder durch das, was sie selber ist, oder was sie zu geben vermag, dem Menschen Kräfte zu, die er nicht schon in sich hat, die nicht schon in seinen Anlagen sind; sie eröffnet dem Menschen einen höheren Quell der Gesundung, als ihm das gewöhnliche, normale Leben auch mit dem besten Schlafe verschaffen kann. Und was so von der Seele aus gleichsam gesundend ausstrahlen kann durch das lebendige Sich-hinein-Finden in die Geisteswissenschaft, das möchte man vergleichen mit dem, was gewöhnliche ärztliche Kunst vermag, indem man sagt: Auch die gewöhnliche ärztliche Kunst vermag im Grunde genommen nur diejenigen Heilkräfte zur Gesundung des Menschen aufzurufen, die schon im Menschen sind, die nur unterdrückt sind durch entgegengesetzte Kräfte. Die Geisteswissenschaft dagegen bringt neue Kräfte im Menschen zur Wirksamkeit, Kräfte, die sich erst entwickeln, die noch nicht veranlagt sind; sie appelliert nicht nur an den Menschen als Mikrokosmos, sondern an den Zusammenhang des Menschen als Mikrokosmos mit der großen geistigen Welt.

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