{"corpus":"steiner","locus":"GA 63/1914-04-23/p040","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Es ist nicht ganz unrichtig, was der gescheite Mann — gescheit sind sie alle! — sagt. Es kann ganz richtig sein. Wenn jemand zur Zeit, da es noch kein Mikroskop gegeben hat, sagte, daß man keine anderen Dinge finden könne als die makroskopischen sind, weil das menschliche Auge in anderes nicht hineinsehen kann, so kann dies ganz scharfsinnig sein. Aber was nützt es für den weiteren Fortschritt des menschlichen Denkens und Lebens? Trotzdem es richtig ist, daß das menschliche Auge nicht bis zu den Zellen der Organismen sehen kann, weil das Sehvermögen begrenzt ist, haben sich die Menschen doch das Mikroskop konstruiert, und ebenso das Teleskop, und sehen nun dorthin, wohin das Sehvermögen des menschlichen Auges nicht reicht. Wie es sehr scharfsinnig sein kann, daß jemand beweist, daß das menschliche Auge keine Zellen und dergleichen zu sehen imstande ist, so kann es sehr richtig sein, was jene Menschen vorbringen, die von der Begrenztheit des menschlichen Erkenntnisvermögens sprechen. Aber kommt es darauf an, ob es richtig ist oder nicht? Wie es richtig ist, daß das menschliche Auge keine Zellen sehen kann, aber wie die Kultur zu einer Verschärfung des Auges geführt hat, so gibt es geistige Methoden, die trotz der Richtigkeit des Kantianismus in bezug auf die Begrenztheit des Erkenntnisvermögens eine Erstarkung, eine Erkräftigung des Seelenlebens herbeiführen, so daß der Mensch in die geistige Welt hineinsehen kann. Solches und auch anderes noch, was jemand als Gegner der Geisteswissenschaft anführt, muß begriffen und verstanden werden.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Geisteswissenschaft als Lebensgut","site_heading":null,"date":"1914-04-23","location":null,"word_count":243,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/63/1914-04-23/p040","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/63/1914-04-23/p040"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/63/1914-04-23/p040","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}