6. Geist-Erkenntnis in glücklichen und ernsten Stunden des Lebens
Wir werden als Menschen getragen von dem Strome des Lebens. Wir fahren zwischen unserer Geburt und unserem Tode gleichsam dahin in diesem Strome des Lebens. Von einem Vergleiche möchte ich ausgehen, der dieses Dahinfahren im Strome des Lebens veranschaulichen soll. - Wenn wir in einem Eisenbahnzuge sitzen und so hinfahren und zum Fenster hinaussehen, dann erscheint es uns zunächst, namentlich wenn wir das Fahren in der Eisenbahn noch nicht gewohnt sind, wie wenn die Bäume und die Häuser an uns vorüberziehen würden, sich an uns vorüberbewegen würden. — So etwa lebt der Mensch, fortreisend die Lebensreise mit seinen Weltanschauungen und Lebensempfindungen, gegenüber dem Glück und dem Unglück, gegenüber Erfolgen und Mißerfolgen des Lebens. Denn wie wirken Glück und Unglück, Erfolge und Mißerfolge auf die menschliche Natur? Wie die menschliche Natur zunächst durch das, was sie aus der physischen Welt ziehen kann, veranlagt ist, so wirken Glück und Unglück, Erfolg und Mißerfolg in der Weise, daß sie gleichsam unsere Weltempfindung, unser Daseinsgefühl immer mit sich reißen, daß uns in unseren Gefühlen und Empfindungen die Welt selbst vorüberzuziehen scheint, je nachdem wir in ihr Leid oder Schmerz erfahren. Und wie wir uns erst gewöhnen müssen an das Dahinfahren in der physischen Welt, um während dieses Dahinfahrens den richtigen Gesichtspunkt zu haben gegenüber dem, was draußen nur scheinbar sich an uns vorüberbewegt, so ist es am Menschen, den richtigen Gesichtspunkt zu gewinnen, um im Lebensstrome so dahinzufahren, daß er mit seinem Weltgefühl, mit seiner Daseinsempfindung ruhig zu bleiben vermag — ruhig in der geistigen Welt, wenn Glück und Leid, wenn Erfolg oder Mißerfolg ihm die Weltempfindung, das Daseinsgefühl in Bewegung, in scheinbarer Bewegung zeigen wollen.