{"corpus":"steiner","locus":"GA 64/1915-01-15/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"In dem, was dem Menschen für sein materielles Bewußtsein verborgen bleibt, ruhen unsichtbare übersinnliche Kräfte. Sie ruhen in dem, was der Mensch im Schlafe in die geistige Welt entläßt, rumoren in diesem Innern, bringen dem Menschen in seinem Verhalten Unsicherheit, Richtungslosigkeit im Leben. Werden diese Kräfte heraufgeholt in die Bewußtheit, werden sie umgewandelt in bewußte Erkenntnisse, Begriffe und Vorstellungen, dann werden sie segensreich, dann werden sie heilsam, dann geben sie dem Menschen Richtung und Ziel, Ruhe und Sicherheit im Leben. Es ist das ein eigentümliches Gesetz, und es ist zuzugeben, es ist ein schwierig einzusehendes Gesetz. Aber wahr ist es doch: wenn das, was die Geisteswissenschaft gibt, dem geistigen Erkenner tiefe Befriedigung gewähren kann, wenn es in sein Bewußtsein tritt, so ist es ein unsicher machendes Element, eine unsicher machende Kraft, wenn es nur unten, unbewußt, in den dunklen Regionen der Seele ruht. Ruht es unbewußt in diesen Regionen, was die Geisteswissenschaft zur lichten Erkenntnis erheben will, dann bleibt es ohne Einfluß auf das menschliche Ich; dann wallt und wogt es im Unterbewußten, dann kann es keinen Einfluß haben auf das, was der Mensch erlebt an Glück und Schmerz, an Erfolgen und Mißerfolgen. Dann kann der Mensch nur denjenigen Teil seines Wesens in Erfolge und Mißerfolge, in Glück und Schmerz hineinbringen, der mitgeht mit Glück und Schmerz so, daß die Seele im Glück sich verliert, daß sie im Schmerz versinkt, durch ihre Erfolge betäubt, durch ihre Mißerfolge schmerzerfüllt wird. Dann geht die Seele überall mit, dann schaukelt und schwimmt sie im Strome des Lebens. Wird aber das, was da unten in den dunklen Regionen der Seele an Erkenntniskräften über die geistige Welt ruht, in das Ich heraufgeholt, so daß dieses Ich die geistigen Erkenntnisse mitnehmen kann, wenn das Leben uns lächelt im Glück, wenn das Leben uns Schmerz und Leid bereitet, dann schaukelt und schwimmt das Ich nicht mehr im Glück und Unglück in dem Strom des Lebens; dann trägt es ein gestärktes Inneres in das Glück und Unglück, in Schmerz und Leid hinein, und Glück und Schmerz werden dann anders erlebt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"6. Geist-Erkenntnis in glücklichen und ernsten Stunden des Lebens","site_heading":null,"date":"1915-01-15","location":null,"word_count":342,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/64/1915-01-15/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/64/1915-01-15/p010"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/64/1915-01-15/p010","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}