6. Geist-Erkenntnis in glücklichen und ernsten Stunden des Lebens

GA 64/1915-01-15/p017 ·1915-01-15 · original (original)
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Wenn wir Geisteswissenschaft pflegen, dann benehmen wir uns in bezug auf unser Inneres gleichsam so, wie sich der benimmt, der einen Strom regulieren will: er geht nicht an das Wasser direkt heran, um es irgendwohin zu leiten, denn damit würde er wenig weit kommen; sondern er geht zunächst an die Erde heran, sucht sie an einer Stelle leer zu machen, sucht einen Erdspalt zu machen, durch den der Strom dann gehen kann. So verhält es sich auch mit unserer Seele. Was uns Lebenssicherheit, Lebensharmonie, was uns eine ruhige Lebensauffassung in Glück und Leid bringen kann — wir können nicht so da herangehen, wie wenn wir an das Wasser direkt herangehen würden; aber wie das Wasser von selbst in den Raum strömt, den wir ihm in der Erde bereitet haben, so strömen die geistigen Kräfte von selbst ein in den Willen und in das Gemüt, wenn wir ihnen das Bett bereiten. Und das Bett bereiten wir ihnen, wenn wir aus den Seelengründen herausholen, was sonst das Eindringen der göttlich-geistigen Welt verhindert — was aber dieses Eindringen nicht mehr verhindert, wenn wir es in das Bewußtsein heraufholen. Daher ist es, daß wir durch das Studium der Geisteswissenschaft nicht nur etwas erkennen, nicht nur etwas erfahren, sondern daß wir im wirklichen Sinne des Wortes verwandelt werden, weil das, was sonst in unsere Seele nicht hinein kann, dann in sie hineinfließt und wir gewissermaßen als den Erfolg des Studiums der Geisteswissenschaft ein inneres Starkwerden, ein inneres Durchkraftetwerden der Seele verspüren.

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