6. Geist-Erkenntnis in glücklichen und ernsten Stunden des Lebens
Weil es so ist, deshalb habe ich öfter hier in diesen Vorträgen ein Erlebnis, eine Erfahrung angeführt, die der Geistesforscher durchmachen kann. Glück und Freude kommen ja im Grunde genommen immer — oder wenigstens meistens — von außen an unsere Seele heran. Sie sind wie etwas, was uns entgentritt. Indem wir bei unserm Schmerz, bei unserm Leid in unserm Erleben aufgehen, ziehen wir uns in uns selber zurück. Das Glück möchten wir erhaschen, den Schmerz möchten wir fliehen; aber wir könnten ihm nur entfliehen, indem wir uns in uns selber zusammenkrampfen. Nun könnte man denjenigen, der einige Geist-Erkenntnis in seiner Seele aufgesammelt hat, fragen: Was möchtest du in deinem Leben lieber missen: was du an Glück und Freude erlebt hast — oder was du an Schmerz und Leid, ja an Mißerfolgen selbst erfahren hast? Und der Geist-Erkennende wird darauf zur Antwort geben: Dankbar, herzlich dankbar bin ich den geistigen Welten, daß sie mir mein Glück und meine Freude gesendet haben; soll ich aber wählen, was ich lieber in meinem Leben missen würde — Glück oder Schmerz, so würde ich lieber das Glück missen; denn ich kann dem Glück zwar viel verdanken, was mir aber an Licht über die Welt geworden ist, das verdanke ich meinen durchlebten Mißerfolgen; und was ich mit meiner Erkenntnis geworden bin, das bin ich durch meine erlebten Schmerzen geworden, und im wahren Sinne des Wortes muß ich sagen: Gefunden habe ich mich durch meine Schmerzen, harmonisch hingeordnet zur Welt habe ich mich durch meine Schmerzerlebnisse!