6. Geist-Erkenntnis in glücklichen und ernsten Stunden des Lebens

GA 64/1915-01-15/p025 ·1915-01-15 · original (original)
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Und wenn wir also in den Schmerz untertauchen? Wahrhaftig, nicht ein sentimentales Trostmittel für des Lebens Schmerzen soll Geisteswissenschaft werden; nicht zum Flachling kann die Geisteswissenschaft den Menschen machen. Was uns Schmerz bereitet, das muß uns Schmerz bereiten, das ist heilsam; denn es stählt der Schmerz das Leben, es stählt der Schmerz die Kraft. Also nicht über den Schmerz hinwegheben will die Geisteswissenschaft. Im Gegenteil; man wird noch tiefer in ihn hineindringen, man wird sein Wesen so recht auskosten müssen, gerade wenn man geisterkennend geworden ist. Aber wie uns aus dem Glück die Stärkung des Willens und des Gemütes kommen kann, so wird aus dem Schmerz herausdringen die Stärkung der Erkenntnis, die Sicherheit der Erkenntnis, und die Stärkung und Sicherheit eines anderen Teiles des Gemütes, mehr, als es durch das Glück sein kann. Wie der, welcher als Märtyrer über den Schmerz des Lebens dahinstirbt, uns wunderbar ergreifend den Sieg des Lichtes über die Finsternis des Lebens zeigt, so nimmt der Mensch, indem er sein geistbewußtes Ich in den Schmerz hineinträgt, selber wahr, wie das geistbewußte Ich sich erhebt über den Schmerz, aber, indem es sich über ihn erhebt, immer leuchtender und leuchtender wird und sich mit jenem Lichte erfüllt, das da eine Leuchte ist im Lebenssturm und im Daseinskampf.

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