6. Geist-Erkenntnis in glücklichen und ernsten Stunden des Lebens

GA 64/1915-01-15/p026 ·1915-01-15 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Nicht Erkenntnis allein gibt uns die Geisteswissenschaft. Was sie uns gibt, das ist zunächst nur Ursache. Die Wirkung ist aber ein durch Lebensgleichgewicht und Lebensruhe gestärktes Ich, die Gewinnung eines ruhenden Poles in der Erscheinungen Flucht. Das Wichtigste aber ist die Lebensenergie, die uns Geisteswissenschaft gibt, und das Bewußtsein, durch das wir uns sagen: Durch deine Anstrengungen in der Geisteswissenschaft erlangst du nicht nur das, was sich dir zuletzt darstellt als Erkenntnis; du hast Erkenntnis angestrebt, aber du hast sie nur hervorgeholt aus den Tiefen deiner Seele, weil du die Seele leer haben wolltest; und jetzt zeigt sich dir, daß sie voll wurde, daß das göttlich-geistige Leben gnadenvoll in die Tiefen deines Wesens einströmt, dich sicher macht und harmonisch im Leben. Damit ist als Wirkung der Geisteswissenschaft eine tief religiöse Stimmung gekennzeichnet, ein Gefühl, für das die Seele durchwallende Göttliche in dieser Seele. Und wir werden erfüllt von Dankesstimmung, von einer fortdauernden Gebetsstimmung dem gegenüber, was die Welt durchquellt, wenn wir die Seele freigemacht haben für das, was in sie einströmen kann, wenn wir erkennen, wie das Göttliche, wenn wir ihm die Stätte bereitet haben, wirklich eins wird mit unserer Seele — ganz nach den Forderungen eines Meister Eckhart, eines Johannes Tauler, Jacob Böhme, Angelus Silesius. Und indem wir uns so in eine erwartende Stimmung versetzen, gleichsam in die Leerheit unserer Seele, bereiten wir uns. die Möglichkeit, daß in den Lebensintuitionen, Lebensinspirationen dasjenige unser Gemüt durchwärmt und durchpulst, was uns das Rechte tun läßt. Wir erkennen uns als Werkzeug der Weltengeister, die zu uns in ein Verhältnis treten wollen. Das aber gibt dem Leben Reichtum und Sicherheit, die unverlierbar sind.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/64/1915-01-15/p026.json
Cite: GA 64/1915-01-15/p026 · edition original