{"corpus":"steiner","locus":"GA 64/1915-02-26/p012","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun kann man sagen: das ist alles gewiß richtig und das schaut so aus, als ob es überzeugend sein könnte. Aber man muß dann, wenn man das Denken etwas universeller in sich gestaltet, auf den Einwurf kommen: ja, gehen denn alle Äpfel zugrunde? Fallen sie alle, bevor sie entwickelt sind, vom Baum? Oder, kommen gar keine Fischkeime zur Entfaltung? — Zeigt also nicht gerade die Natur dadurch doch, daß sie es im Grunde auf die wirkliche letzte Entfaltung aller Keime abgesehen hat? — Wenn dann der Mensch in sich bemerkt, daB gewisse Anlagen in ihm sind, welche nicht innerhalb seines Lebens bis zum Tode zur Entfaltung kommen, dann müßte ja — nach Straußscher Logik — bei jedem Menschen die Entfaltung derartiger Anlagen nicht erreicht werden. Das zeigt uns aber das Leben durchaus nicht. David Friedrich Strauß aber zeigt uns, daß er nicht zu Ende denken kann. Allerdings, das ist ihm noch nicht genug, sondern er findet noch etwas anderes. Man braucht nicht einmal zwischen den Zeilen zu lesen, sondern es steht ziemlich grobklotzig da, was ich nur in ein bißchen andere Worte übersetzen will. David Friedrich Strauß sagt etwa so: Im Grunde genommen ist ja der Goethesche Ausspruch nicht einmal richtig. Denn betrachtet man den alten Goethe, so findet man ganz klar, daß Goethe alle seine Anlagen eigentlich zur Entfaltung bringen konnte. Dann macht er uns darauf aufmerksam, daß eigentlich jeder Mensch durchaus, richtig betrachtet, finden wird, daß seine Anlagen zur Entfaltung kommen. — Wenn Strauß nur ein wenig bescheidener gewesen wäre, so würde ihm vielleicht der Gedanke aufgegangen sein, daß vielleicht Goethe doch ein größeres Recht gehabt hat, von unvollendeten Anlagen zu sprechen in der Menschennatur, die erst ihre Entfaltung suchen, als Strauß.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"8. Was ist am Menschenwesen sterblich?","site_heading":null,"date":"1915-02-26","location":null,"word_count":284,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/64/1915-02-26/p012","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/64/1915-02-26/p012"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/64/1915-02-26/p012","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}