{"corpus":"steiner","locus":"GA 64/1915-02-26/p028","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das ist dasjenige, was für die Weltanschauung unserer Zeit noch ganz besondere Schwierigkeiten macht. Diese Weltanschauung unserer Zeit meint ja, um zu verstehen dasjenige, wozu man überhaupt kommen kann, sei es durchaus notwendig, daß an ihr bekannte Begriffe angeknüpft werde. Die Denkgewohnheit unserer Zeit verlangt, daß man vom Geistigen spricht mit solchen Begriffen, welche sie schon kennt. Sie will nicht zu unbekannten Begriffen geführt werden, sondern sie will etwas haben, was sie schon kennt. Man soll auf etwas hinweisen, was sie schon kennt. Das haben alle Philosophen getan, die von einer Seelen-«Substanz» gesprochen haben. Sie sagen: Die Seele muß einfach eine Substanz haben; diese geht dann durch die Pforte des Todes hindurch. Aber man kann sagen: gerade die Naturwissenschaft könnte vorbereiten die Menschen zu dem, wie eigentlich Geisteswissenschaft sich zu diesen Dingen nach und nach wird stellen müssen. Sie alle kennen ja das ganz Einfache, wie man eine elastische Billardkugel nach einer anderen hinlenkt; dann bekommt die andere eine beliebige Richtung. Und es hängt die Richtung, welche die zweite Kugel bekommt, von der Richtung und Bewegung der ersten Kugel ab. Die Physik ist sich klar darüber, daß der Bewegungszustand der zweiten Kugel hervorgegangen ist aus dem Bewegungszustand der ersten und daß man alles, was man in dern Bewegungszustand der zweiten Kugel findet, in der Bewegung der eisten finden kann. Es ist da ein Übergang der Bewegung der ersten Kugel auf die Bewegung der zweiten. Derjenige aber würde etwas ganz Absurdes denken, der sagen würde: Ich kann mir das gar nicht denken, daß die Bewegung der zweiten Kugel von der Bewegung der ersten Kugel abhängt. — Aber genau ebenso absurd denkt derjenige über die Seele, der sich nicht vorstellen kann, daß das Seelisch-Geistige etwas anderes ist als das, was in seiner Wesenheit an Körperliches erinnert. Geradeso wie es wäre, wenn man verlangen würde, daß die erste Kugel von ihrer Substanz etwas in die zweite hineinschickt, damit etwas da ist in der zweiten, — so wäre es, wenn man verlangen würde, daß in dem Leben, das die Seele nach dem Tode antritt, dasjenige wäre, was man finden kann schon in den Erlebnissen, die die Seele durchmacht, indem sie im Leibe ist, nur durch diesen Leib.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"8. Was ist am Menschenwesen sterblich?","site_heading":null,"date":"1915-02-26","location":null,"word_count":363,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/64/1915-02-26/p028","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/64/1915-02-26/p028"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/64/1915-02-26/p028","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}