8. Was ist am Menschenwesen sterblich?

GA 64/1915-02-26/p029 ·1915-02-26 · original (original)
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Aber es ist auch notwendig, die Schwierigkeit einzusehen, welche der Geisteswissenschaft entgegensteht, nämlich daß diese Geisteswissenschaft tatsächlich nicht nur von Dingen reden muß, die über die Sinneswelt hinausgehen, sondern neue, andere Begriffe, als man sie hat, den Menschen zumuten muß, um dieses Geistige zu begreifen; daß die Begriffe bereichert werden müssen, daß nicht bloß herumgeredet werden darf mit denselben Begriffen und Ideen. Daher ist oft dasjenige, was die Geisteswissenschaft hat, für denjenigen, der auf dem Standpunkt der heutigen Denkgewohnheiten steht, unbegreiflich, weil er eigentlich nur Worte hört, die phantastisch klingen, zusammengeprägt erscheinen, und weil er sich nicht darauf einläßt, auf dasjenige einzugehen, was der Geistesforscher hernimmt aus seinen Erfahrungen. Denn wenn der Geisteswissenschafter diese Dinge lebendig aus der geistigen Welt geholt hat, sind sie begreiflich für die Urteilskraft. Verstehen kann man dasjenige mit der gesunden Urteilskraft, was der Geistesforscher aus der geistigen Welt geholt hat. Es braucht dazu nicht jeder ein Geistesforscher zu sein; man braucht nur vorurteilslos zu prüfen, was der Geistesforscher zu geben vermag, und man wird es einsehen können. Derjenige, der da sagt, es könne unmöglich jemand zugeben, daß das wahr ist, was der Geistesforscher sagt, ohne selber ein Geistesforscher zu werden, — wer so sagt, der soll nur auch behaupten, es könne niemand durch irgendwelche Schlußfolgerungen belegen, daß einer ein Dieb ist, wenn er nicht selbst den Diebstahl ausgeführt hat. Solche Dinge scheinen absurd, wenn man sie ausspricht; aber vor einer universellen Logik sind sie um so richtiger. Vor allen Dingen aber wird eines der Menschheit völlig klar werden, wenn die geisteswissenschaftlichen Ergebnisse dieser Menschheit einmal begreiflich werden, wenn man einmal anfangen wird, über die Dinge vorurteilslos nachzudenken, — eines wird klar werden: daß allerdings etwas ist in dieser menschlichen Natur, was schon im alltäglichen Leben ein Weben und Leben bloß im Geistigen ist. Da ist es, allein deuten kann man es nur in der richtigen Weise mit Hilfe der Geisteswissenschaft. Etwas ist in unserem alltäglichen Leben vom Aufwachen bis zum Einschlafen, was durchaus geistiger Natur ist; aber der materialistisch Denkende wird es nicht gelten lassen: — das ist der Prozeß, den wir durchmachen in unserer Erinnerung. Wenn wir uns an etwas erinnern, wenn wir hinschauen auf ein Erlebnis, das wir in früherer Zeit gehabt haben, dann ist dieses Erinnern, dieses Hinlenken unserer Seelenkräfte auf etwas, was sich nicht mehr abspielt, ein durchaus geistiger Prozeß; den vollführt die Seele nur im Seelisch-Geistigen.

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