8. Was ist am Menschenwesen sterblich?

GA 64/1915-02-26/p031 ·1915-02-26 · original (original)
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Erst wenn man anfängt zu begreifen, welch rein seelischgeistiger Prozeß die Erinnerung ist, erst dann deutet man auf dasjenige hin, was sich über den Tod hinaus fortsetzt. Die Erinnerungskraft lebt hier schon in der Denk- und Willensbildung und verrät sich hier als Geistiges. In der Erinnerung, die in uns lebt, tragen wir nicht als Seelensubstanz, sondern als Kraft über die Pforte des Todes dasjenige voll hinüber, was wir im Leben zwischen der Geburt und dem Tode sind. Jedem, der sich nicht zur Geisteswissenschaft aufschwingt, entschwindet sofort die Möglichkeit, sich etwas zu denken bei dem, was gesagt worden ist, aus dem Grunde, weil er gar nichts mehr hat, an das er sich nach seinen Vorstellungen erinnern kann. Denn er hat bei allem, was er sich denken kann, im Auge, er müsse etwas Substantielles haben, was er schon kennt. Er will nicht dazu kommen, daß er nur als Gabe der Erinnerung etwas hat, was er nicht kennt.

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