8. Was ist am Menschenwesen sterblich?
Nun sehen wir, daß der Mensch den Entwickelungsweg, den er machen muß, wenn er ein Geistesforscher werden will — nicht jeder braucht ein Geistesforscher zu werden; wenn es nur wenige Geistesforscher gäbe, und diese bringen Wahrheiten zustande, so wird der Verstand dieselben einsehen können — wir sehen, daß der Weg, den der Geistesforscher geführt wird, in dem Ergreifen des eigenen Seelischen besteht, um dieses Seelische weiterzuführen. Geradeso wie das Kind sich entwickeln muß, indem es von der Zeit an, wo es noch nicht «ich» sagen kann zu sich selber, geführt wird zu einem Zeitpunkt, wo es dieses sagen kann, so kann die Seele, wenn der Geistesforscher sich in der Hand hat, sich entwickeln, so daß sie ein Genosse der geistigen Welt wird. Da muß aber die Seele sich selbst ergreifen. Das ist ein rein geistig-seelischer Prozeß. Auf dem Wege zu diesem Prozeß ist allerdings die Menschheit schon lange. Einer derjenigen Geister der mitteleuropäischen Geistesentwickelung, von dem ich vor kurzem hier gesprochen habe, er hat ein schönes Wort geprägt, welches, so könnte man sagen, auf den Weg weist das menschliche Fühlen, das menschliche Denken, das menschliche Wollen, — auf den Weg, der zuletzt dann dahin führt, daß der Mensch selbst ein Geistesforscher wird. Der deutsche Mystiker Meister Eckhart, der 1327 gestorben ist, er spricht ein schönes Wort aus. Ein Wort, das sozusagen, wenn man darüber meditiert, die Kraft hat, die Seele hinzuweisen auf den Weg, der in die geistige Welt hineinführt. Man kann solch ein Wort nicht bloß einmal oder ein paarmal auf sich wirken lassen, sondern man muß es Tag für Tag auf sich wirken lassen. Denn hinter einem solchen Wort steckt ein tiefes seelisches Erleben, das derjenige schon durchgemacht hatte, der es aus dem innersten Gefüge seiner Seele herausgeholt hat. Meister Eckhart sagt: