8. Was ist am Menschenwesen sterblich?
Auf vielen anderen Gebieten werden noch manche deutsche Bestimmungen liegen. Ganz gewiß aber liegt auch noch die Bestimmung in der deutschen Entwickelung, den deutschen Idealismus zum Spiritualismus zu führen, zu einer ganz geistgemäßen Weltanschauung. Denn, was auch geschehen mag, — das eine kann nur geschehen: daß in dieses Geschehen befruchtend hineintönt, was aus so tief innerlichem Erleben hervorgegangen ist wie ein Wort Goethes, das er gerade gesetzt hat an den Schluß derjenigen Dichtung, wo er tiefstes, mit dem Weltgeist ringendes Menschenwesen darstellt. Nicht umsonst ist gerade aus der deutschen Weltanschauung der «Faust» hervorgegangen, diese Darstellung des Ringens mit dem Weltgeist nach dem Wege in die geistige Welt hinein. Gerade in der Zeit, in welcher Deutschland gewissermaßen sich bis zu einem gewissen Grade von fremdländischer Weltanschauung geistig überwinden ließ, hat man immer wiederum das sonderbare Diktum ausgesprochen, Deutschland sei Hamlet. Deutschland ist nicht Hamlet. Es ist nur ein Mißverständnis, wenn man das glaubt. In den innersten Kräften der deutschen Entwickelung liegt etwas, was niemals von Hamlet ausgesprochen werden kann — «Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage» ist ein Wort von Hamlet —, sondern der deutsche Geist spricht: Der Geist ist der Urgrund alles Seins, und auf dem geistigen Boden findet die Seele ihre wahre Bestimmung, ihre wahre Wesenheit; und »ur auf geistigem Boden, nur im Hinausblicken über das Materielle Das ist die deutsche Entwickelung im richtigen Stil betrachtet, verbunden mit dem Geistwesen der Menschheit überhaupt, daß man sagen muß: Mögen die gegenwärtigen schmerzlichen Ereignisse noch vieles bringen, — das aber liegt in der deutschen Entwickelung selbst als eine tiefste Berechtigung, daß man wird sagen müssen: