{"corpus":"steiner","locus":"GA 64/1915-04-16/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Durch solchen Einblick in die Gliederung der menschlichen Wesenheit durchschaut man die Natur des Schlafes. In Wien habe ich diesen Vorgang als Trennung zwischen physischem und Ätherleib einerseits und Astralleib und Ich andererseits bezeichnet. Das ist nur relativ zu verstehen; Beziehungen bleiben, stellen sich her. Während der Astralleib gewissermaßen in seinem Rückfühlen nachschwingt, stößt er an den Ätherleib in dessen gewöhnlichem Erleben an, und indem er so das, was er rein erleben würde, vermischt mit dem, was im gewöhnlichen Leben vorgeht, entstehen die Träume. Sie sind chaotisch oder auch mehr oder weniger gesetzlich, selbst prophetisch, durchmischt mit dem, was sich im gewöhnlichen Leben vollziehen kann. Wenn Schopenhauer nicht bloß vom gewöhnlichen philosophischen Erkenntnisstandpunkt aus geurteilt hätte, so hätte er die Welt nicht bloß als Wille und Vorstellung gesehen; sondern er hätte gesehen, daß die Vorstellung in sich verdichtet werden kann, daß man darin das Seelisch-Geistige als Geistiges bewußt erleben kann, und daß dasjenige, was er im menschlichen Organismus als Wille sieht, sich in die ganze Umwelt hineinergießt und für die Durchgeistigung der gesamten Welt zur Offenbarung gelangt. Im Astralleib schwingt dasjenige nach, wodurch der Mensch am Ende eines Tages mehr ist als vorher. Das gleiche vollzieht sich auch im ganzen Leben. Denken wir, um das zu verstehen, an die Pflanze und den reifenden Samen; lassen wir dies Bild auf uns wirken. Aber das bleibt im Ätherleibe, der Astralleib schwingt nur nach. Doch nimmt er den Ätherleib durch die Pforte des Todes mit: Und jetzt kann, herausgezogen aus dem physischen Leib, der Astralleib mit dem Ich zusammen ein volles Bewußtsein entwickeln; er wird nun durchzuckt von der Lebekraft des Ätherleibes, und das Bewußtsein taucht auf. Dann aber, wenn er so belebt ist — weil der Ätherleib eigentlich der Lebensversorger des physischen Leibes ist und zu mehr nicht dienen kann -, wenn der Extrakt sozusagen daraus gezogen ist, wird das, was nur die Lebensfunktionen unterhält, in die. übrige Ätherwelt ausgestoßen. Durch das geistig gehaltene Bewußtsein, das durch den Anstoß des Astralleibes und Ich an den Extrakt des Ätherleibes entsteht, muß der Mensch sich erst hindurchringen, bis er zum Gebrauch des neuen Bewußtseins kommt, in welchem er die Zeit zwischen Tod und einer neuen Geburt verbringt. In dieser Zeit macht der Mensch vieles dutch. Über die Zeitlänge, die da verfließt, kann man nur etwas erschauen, wenn man das einzelne Menschenleben mit dem ganzen Erdenleben in Zusammenhang bringt. Dann kann man sehen, was ihn an der Erde angezogen hat, was ihn aus dem Geisterreich zu diesem Leben geführt hat; die Kräfte, die den Menschen herunterführten, haben damit ihren Abschluß, ihr Ziel gefunden. Inzwischen muß die Erde sich so verändert haben, daß der Mensch Neues erleben kann. Daher dauert es Jahrhunderte, daß der Mensch seine Kraft sammelt, um in ein neues Erdenleben hinabzusteigen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"13. Schlaf und Tod vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft","site_heading":null,"date":"1915-04-16","location":null,"word_count":458,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/64/1915-04-16/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/64/1915-04-16/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/64/1915-04-16/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}