{"corpus":"steiner","locus":"GA 65/1915-12-10/p011","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Auch hier mischt sich wiederum, ich möchte sagen, ein halb oder manchmal auch ganz egoistisches Vorurteil in dasjenige, was der Geistesforscher eigentlich sagen will, hinein. Man sagt sich nun einmal im Leben: Der Geistesforscher kann etwas, was andere Menschen nicht können — und man überträgt das dann auf seinen Menschenwert, man überträgt das auf seine Bedeutung als Mensch. Aber er hat nichts anderes in sich, als was jeder gewöhnliche Mensch in sich hat. Denn dasjenige, was er entdeckt als vorgeburtlich, das ist immer in der menschlichen Natur, und das wird bei ihm nicht anders dadurch, daß er dann sich ein Wissen davon erwirbt. Dasjenige, was hinausgeht durch die Pforte des Todes, das ist beim Geistesforscher so vorhanden, wie es in jedem Menschen vorhanden ist. Und das Wissen, das der Geistesforscher erwirbt, verhält sich nicht anders zu der Wirklichkeit des seelisch-geistigen Daseins des Menschen, als sich das Wissen der Naturwissenschaft zu der äußeren Natur verhält. Es wäre sogar gut, wenn in der Literatur, die über solche Dinge handelt, gewisse Worte nicht gleich so genommen würden, daß man sozusagen innerlich — verzeihen Sie den Ausdruck —- Weihrauch streut, innerlich etwas ganz Besonderes in seinem Gefühle durchmachen möchte. Man bezeichnet oftmals denjenigen, der also in die geistige Welt hineinschauen kann, als einen Eingeweihten. Dann aber, wenn das Wort «Eingeweihter» ausgesprochen wird, verbindet man damit etwas, als ob man nun einen ganz besonderen Menschen vor sich hätte. Das soll man gerade vermeiden, sondern man soll die Dinge so nehmen, wie sie in Gemäßheit der eben gegebenen Schilderungen zu nehmen sind. Und der Geistesforscher selber ist davon überzeugt: nur die eingangs genannten Vorurteile wirken dagegen, daß man seine Ergebnisse nicht geradeso aufnimmt nach dem gesunden Menschenverstand, wie man die Ergebnisse des Chemikers, des Physikers und so weiter aufnimmt. Denn prinzipiell ist kein Unterschied.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"4. Menschenseele und Menschengeist","site_heading":null,"date":"1915-12-10","location":null,"word_count":298,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/65/1915-12-10/p011","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/65/1915-12-10/p011"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/65/1915-12-10/p011","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}