4. Menschenseele und Menschengeist
Bis zu dem Punkte, bis zu dem man sich im Leben zurückerinnert, verläuft nämlich im Menschen ein Prozeß, und zwar zuerst vorgeburtlich, vor der Empfängnis, in der rein geistigen Welt. Es verläuft ein Prozeß, der hinzielt auf Verrichtungen, die den Organismus gewissermaßen aufbauen, die in der Lebensrichtung des Organismus liegen. In dem Augenblick, bis zu dem wir uns im Leben zurückerinnern, da tritt das ein, daß diese innerliche Kräftebetätigung, welche die noch nicht denkende Denkwesenheit, Denkkraft ist, aufhört am Menschen aufzubauen. Von diesem Augenblicke an baut sie im Menschen ab, übt eigentlich fortwährend Zerstörungsprozesse aus, die sich dann summieren und die endlich den äußeren physischen Tod des Menschen herbeiführen, die den Leib des Menschen hinwegnehmen von seiner Seele und seinem Geiste. So daß wir gerade, wenn wir das Denken geisteswissenschaftlich durchforschen, es leiblich gebunden fühlen an einen Abbauprozeß, an einen Prozeß, der, indem das Denken so verläuft wie im gewöhnlichen Leben, abbaut. Es muß der Abbau dann immer wiederum ersetzt werden, indem das Denken stillesteht im Schlafe. Aber der Abbauprozeß ist stärker, ist intensiver und führt endlich langsam den Tod herbei, insofern er mit jenen Prozessen des Organismus zusammenhängt, die eben in dem Organismus des Denkens verankert sind. Selbstverständlich hängt der Tod auch mit anderen Prozessen zusammen. So hängen wir, indem wir dieses gewöhnliche alltägliche Denken entwickeln, von unserer Organisation so ab, daß dieses Denken eigentlich mit einem Zerstören des Organismus verbunden ist. Mit dem, was uns den Tod bringt im Organismus, ist also dasjenige verbunden, was im höchsten Maße die Blüte des menschlichen inneren Erlebens für diese Welt zwischen Geburt und Tod ist.