4. Menschenseele und Menschengeist

GA 65/1915-12-10/p017 ·1915-12-10 · original (original)
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Das ist eine Tätigkeit, die nun erhöht werden muß in dem Prozeß, in den inneren Seelenverrichtungen, die angeführt worden sind. Das Denken durch Meditation und auch die Willensentfaltung durch Meditation bringen den Menschen dazu, daß er von seiner Leiblichkeit unabhängig wird, daß er sich aus seiner Leiblichkeit heraushebt und eine besondere Seelenbetätigung ausführt, in der er sich wissend außer seiner Leiblichkeit und unabhängig von seiner Leiblichkeit erhält. Das «außer» ist nicht so sehr räumlich gemeint, sondern so gemeint, daß der Mensch sich von der physischen Leibestätigkeit unabhängig weiß. Bei demjenigen nun, was im gewöhnlichen Leben Hellsichtigkeit, Hellhörigkeit und so weiter genannt wird, was sich bis zur Halluzination und Illusion verdichten kann, liegt nun der verhängnisvolle Aberglaube vor, man könne dadurch zu Einsichten in die Welt kommen, die über Geburt und Tod hinaus liegt. Man kann aber durch dasjenige, was im gewöhnlichen Leben Hellsehen, Hellhören genannt wird, nicht hinauskommen zu irgendwelchen Vorgängen, Ereignissen in der geistigen Welt, die über Geburt und Tod hinaus liegt. Denn für das gewöhnliche, alltägliche Denken müssen wir sozusagen etwas, was eine Ganzheit ist in unserem Leibe, zerstören, und wir müssen es in dem Maße zerstören, als das eben in der — um jetzt das Wort zu gebrauchen — normalen Lebenstätigkeit liegt. Wir stellen uns mit unserem ganzen Menschen hinein in die Umwelt und lassen ihn abbauen, indem wir das Denken üben, ausführen. Bei dem, was man gewöhnlich Hellsehen, Hellhören nennt, wird nun nicht der ganze Mensch der Welt gegenübergestellt, sondern es wird in krankhafter Weise nur ein Teil der Welt gegenübergestellt, so daß der Mensch nicht hinausgeht über das Denken, sondern hinuntergeht; nicht in das Übersinnliche sich erhebt, sondern in das Untersinnliche sich herunterrückt. Dadurch, daß er in diesem gewöhnlichen Hellsehen weniger von seinem Organ ergreift als im gewöhnlichen Denken, in diesem gewöhnlichen Hellsehen, also dadurch, daß er nur einen Teil seines Organismus ergreift, kommt er zu Halluzinationen, zu Illusionen, die gewiß auch auf eine Realität hindeuten, aber auf eine solche, die weniger wirklich ist als unsere gewöhnliche Sinneswirklichkeit, die wir zwischen Geburt und Tod erleben. Dieser gewöhnliche Hellseher mit seinem untersinnlichen Hellsehen, das eben entweder verstanden werden muß als etwas, was unter die gewöhnliche Wirklichkeit hinuntergehen muß oder sonst verkannt wird und zu Träumerei und Phantasterei, zu krankhafter Weltanschauung führt, dieses untersinnliche Hellsehen beruht darauf, daß man weniger von der Welt sieht, als man durch das gewöhnliche Vorstellen der Sinnenwelt wahrnimmt, Man geht sozusagen auch aus der Welt heraus, aber auf eine krankhafte Weise; man beschränkt sich auf etwas, was unter der Wirklichkeit des gewöhnlichen Erlebens liegt. Und dieses halluzinierende, illusionierende Hellsehen hängt stärker an der Körperlichkeit, und jetzt an der krankhaften Körperlichkeit, als das gewöhnliche Denken, Fühlen und Wollen.

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Cite: GA 65/1915-12-10/p017 · edition original